Bunte Ecke

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Von der Idee zum fertigen Baukasten

Wie entstehen eigentlich die Ideen für Technikbaukästen? Die Primaxe machten sich auf den Weg in den Schwarzwald und besuchten die Tüftler von fischertechnik. Dieses Unternehmen entwickelt seit mehr als 50 Jahren Baukästen für Kinder auf der ganzen Welt.

Ideen sammeln und weiterführen! Darum geht es bei Hartmut Knecht vor allem. Als Leiter der Entwicklungsabteilung ist er der Chef-Tüftler von fischertechnik. Woher kommen die Ideen zu Baukästen? „Manche Einfälle haben wir selbst: Mensch, zur Solartechnik müssten wir etwas schaffen! Nur mit der Energie des Sonnenlichts einen Motor antreiben! Super!" Beim Gedanken daran strahlt der Tüftler wie ein begeisterter Junge. Auch Spielwarenhändler berichten von Wünschen ihrer Kunden: Habt ihr einen Baukasten mit einem Riesenrad? Oder einen Bagger? Außerdem gibt es den fischertechnik-Fanclub mit 30.000 Mitgliedern. „Unsere Fans schicken uns ihre Anregungen. Zum Beispiel: Baut unbedingt einen Staubsauger-Roboter!" Mit solchen Ideen treffen sich die Verantwortlichen mehrerer Abteilungen: Was können wir gut? Was lässt sich ohne Probleme bauen? Womit werden wahrscheinlich viele Kinder spielen? Danach bleiben wenige Ideen übrig. Wieder hören sich die Tüftler um. Diesmal bei Händlern, Lehrkräften und Kindern, auf Messen und im Internet-Forum des Fanclubs: Was wäre euch bei einem solchen Baukasten ganz wichtig?

Wenn es eine Idee bis dahin geschafft hat, beginnt die eigentliche Arbeit der Entwickler. Unzählige Fragen sind zu klären. Zum Beispiel für einen neuen Solarbaukasten: „Haben wir die wichtigsten Bauteile schon im fischertechnik-System? Welche Bauteile müssten noch angefertigt werden? Wie groß muss die Solarzelle sein? Wie teuer wird sie dann? Welche Art von Motor ist geeignet? Wie viel Leistung sollte er haben?" Dann bauen die Tüftler ein erstes einfaches Modell, zum Beispiel ein Gestell mit vier Rädern. Dabei zeigt sich: Die Solarzelle ist zu klein. Und der Motor läuft nicht leicht genug an. Wenn alles funktioniert, geht es weiter. Wie wäre es zusätzlich zum Auto mit einem Boot? Welches Material eignet sich für den Rumpf? Er sollte leicht sein und schick aussehen. Vielleicht wie ein Katamaran?

Das Team einigt sich auf zwei Boote: eines wird von einem Propeller angetrieben, das andere bewegt sich wie ein Schaufelraddampfer vorwärts. Ein Solar-Ventilator für den Schreibtisch kommt auch noch dazu. Das geht gerade noch. Schließlich darf der Baukasten für die Käufer höchstens 50 Euro kosten. Bisher gibt es nur einfache Modelle und Pläne. Was fehlt, ist die genaue Konstruktion: Welches Bauteil kommt wohin? „In dieser Phase sind wir oft in unserer Werkstatt. Dort haben wir ein kleines Lager mit allen fischertechnik-Teilen", schildert Hartmut Knecht. „Wenn uns ein Bauteil fehlt, stellen wir es in unserem 3D-Drucker selbst her. Wir tüfteln so lange herum, bis uns jedes Detail gefällt."

Juli 2018
Fotos: Gerhard Bayer