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Die Wölfe kommen zurück!

Mehr als 100 Jahre lang gab es in Deutschland keinen einzigen Wolf. Mittlerweile haben sich in acht Bundesländern wieder Wölfe angesiedelt. PRIMAX sagt euch, warum in Zukunft vielleicht auch in eurer Nähe Wölfe ein Zuhause suchen werden. Und wir berichten von einer ganz besonderen Schulstunde mit einem Wolfsexperten.

Warum gibt es wieder Wölfe in Deutschland?

Mit etwas Glück konnten eure Ururgroßeltern in den Wäldern noch Wolfsrudel erspähen. Doch die Tiere wurden so lange gejagt, bis sie in Deutschland ausgerottet waren. In Osteuropa hatten Wolfsrudel dagegen ein besseres Leben,
vermehrten sich und machten sich von dort aus auf die Suche nach neuen Revieren. So kamen in den vergangenen 100 Jahren immer wieder einzelne Wölfe aus Polen auch nach Deutschland. Ihre Wanderungen endeten meistens nach kurzer Zeit tödlich: Sie wurden von Jägern erschossen oder von Autos überfahren. Seit 1990 sind Wölfe in Deutschland gesetzlich geschützt! Es ist verboten, sie zu jagen, ihnen Fallen zu stellen oder Giftköder auszulegen. Seitdem wandern immer mehr Wölfe aus Osteuropa ein, bleiben und gründen neue Wolfsrudel. Im Jahr 2000 wurden in Sachsen erstmals wieder Wolfswelpen geboren. Derzeit zählen Naturschützer in ganz Deutschland 22 Wolfsrudel und 4 einzelne Wölfe.

Bietet Deutschland genug Lebensraum für Wölfe?

Wolfsexperten sagen: Ja! Wölfe brauchen keine Wildnis zum Überleben. Sie können sich anpassen und auch in der Nachbarschaft von Menschen existieren. Wölfe sind von Natur aus sehr vorsichtig. Durch ihre guten Augen und feinen Nasen merken sie frühzeitig, wenn sich Menschen nähern, und gehen ihnen aus dem Weg. Warum greifen Wölfe normalerweise keinen Menschen an? Ganz einfach: Der Mensch zählt nicht zu ihren Beutetieren. Sie ernähren sich vor allem von Hirschen, Rehen und Wildschweinen. In Ländern, in denen die Wölfe nie ausgerottet wurden, ist es ganz normal, mit diesen Tieren als wilden Nachbarn zu leben. Die Menschen in Deutschland müssen das erst wieder lernen.

"HuHuHuuuu"

Ungewöhnliche Laute erfüllen das Schulgelände. Menschen vor den angrenzenden Wohnhäusern schauen neugierig herüber. Bei den Spielgeräten neben dem Schulhof steht ein Mann. Er formt seine Hände zu einem Trichter, hält sie vor den Mund und heult los. Die 16 Jungen und Mädchen um ihn herum tun das Gleiche. „Huhuhuuu! Huuhuuhuu!“ Alle lachen. „So ungefähr hört sich Wolfsgeheul an“, sagt Peter Sürth. Der Wolfsexperte ist an diesem Tag für eine ganz besondere Unterrichtsstunde in die Grundschule von Hellenthal in der Eifel gekommen. Die dritte Klasse hatte sich an dieser Sonderaktion beim 43. Internationalen Jugendwettbewerb „jugend creativ“ unter dem Motto „Entdecke die Vielfalt: Natur gestalten!“ beteiligt und unter vielen Teilnehmern diese besondere Schulstunde gewonnen. Zum Naturthema reichten fast eine Million Kinder und Jugendliche Bilder und Filme ein. Die Beiträge der Sieger sind im Internet zu sehen: www.jugendcreativ.de/galerie

„Schaut euch die Reißzähne an!“ Im Klassenzimmer präsentiert Peter Sürth den Schädel eines Wolfes. „Damit beißen Wölfe ihren Beutetieren in den Hals und halten sie fest.“ Es ist mucksmäuschenstill, die Klasse ist beeindruckt.
„Wurden Sie schon einmal von Wölfen angegriffen?“, fragt ein Schüler. „Nein, von wilden Wölfen noch nicht“, antwortet der Experte: „Aber als ich einmal in einem Tierpark im Wolfsgehege war, wollte mir eine Wölfin zeigen, wer von uns beiden der Chef ist. Auch Wölfe, die seit Jahren in Tierparks leben, sind wilde Tiere. Anders als Hunde lassen sie sich nie ganz zähmen.“ Peter Sürth startet einen Film. Dabei erlebt die Klasse, wie sich verschiedene Raubtiere, ein Wolf und ein Bär, den gleichen Lebensraum teilen. „Das sollte auch zwischen Menschen und Wölfen möglich sein“, meint Sürth.

Können Wölfe in freier Natur und Menschen friedlich zusammenleben?

Mit dieser Frage befasst sich Peter Sürth vor allem. Seit vielen Jahren erforscht er Wölfe in Rumänien. Ein wichtiges Hilfsmittel dabei können die Schüler jetzt untersuchen: ein Halsband mit Funksender. „In Rumänien haben wir Wölfe gefangen und betäubt, ihnen solche Halsbänder angelegt und danach wieder freigelassen“, erklärt Peter Sürth. „Mithilfe der Sendesignale konnten wir genau verfolgen, wie sich die Wölfe verhalten, wenn sich Menschen in ihrer Nähe befinden.“

Fotos: Gerhard Bayer
September 2013