Wissen / Reportage

Bunte Welt

Azrahan, die Kämpferin

Azrahan Ay war erst vier Jahre alt, als sie mit Taekwondo begann. Seitdem liegen mehr als 1000 Trainingsstunden, 60 Turniere und viele Siege hinter dem heute neunjährigen Mädchen aus Herrenberg. PRIMAX besuchte Azrahan zu Hause. Sie erzählte uns von sich und ihrem Lieblingssport.

Wie alles begann ...

Mein Papa ist Trainer im Taekwondo-Verein. Vor fünf Jahren nahm er mich zum ersten Mal zum Training mit. Wie man beim Taekwondo mit den Beinen tritt und mit den Fäusten schlägt, das hat mir sofort gut gefallen. Ein Jahr später war ich beim ersten Turnier. Es war kein offizieller Kampf, aber ich war trotzdem total aufgeregt. Ich hatte ein bisschen Angst davor, dass mir meine Gegnerin wehtut. Jetzt habe ich schon so viele Kämpfe hinter mir, dass die Angst fast ganz verschwunden ist.

Üben, üben, üben ...

Mittlerweile trainiere ich im Verein viermal in der Woche. Wenn ich mich müde fühle oder viele Hausaufgaben habe, lasse ich auch mal ein Training ausfallen. Doch oft habe ich sogar Lust auf noch mehr Taekwondo. Dann gehe ich mit meinem jüngeren Bruder Burakhan in unseren Trainingsraum, den uns Papa zu Hause eingerichtet hat.

Gewinnen und verlieren ...

Viele Gegnerinnen sind größer als ich. Vor solchen Wettkämpfen sagt mir Papa: „Lass dich davon nicht beeindrucken. Es kommt nicht nur auf die Größe an. Wenn du dein Ziel im Blick behältst, hast du immer gute Chancen.“ Danach fühle ich mich mutiger. Beim Taekwondo ist es wichtig, Mut zu zeigen, und ich glaube, ich bin mutig. Als ich einmal spürte, dass die Gegnerin viel besser ist als ich, sagte ich in der Pause zu Papa: „Heute schaffe ich es nicht!“ Da warf er das Handtuch in die Ringmitte und beendete damit den Kampf. Ich bin gut in Taekwondo, deshalb gewinne ich meistens. Trotzdem gibt es manchmal Niederlagen. Das ist nicht schön, aber es ist okay. Tief in mir drin bin ich eine Kämpferin, das hilft mir auch in der Schule.

Selbstverteidigung ohne Waffen

Malereien in Grabkammern beweisen es: In Korea gab es schon vor mehr als 2000 Jahren Kampfkünste, die der Selbstverteidigung dienten und der heutigen Sportart Taekwondo ähnlich waren. Der Begriff Taekwondo setzt sich aus mehreren Teilen zusammen: TAE steht für Aktionen mit den Füßen, KWON bezeichnet Aktionen mit den Fäusten und DO bedeutet Kunst oder Weg. Damit ist gemeint, dass sich jeder durch jahrelanges Taekwondo-Training geistig und körperlich verbessert. Vor 32 Jahren wurde die Deutsche Taekwondo Union (DTU) gegründet. Heute gibt es in fast allen Städten Taekwondo-Vereine mit offiziellen Mannschaften für Mädchen und Jungen ab sechs Jahren. Die meisten Vereine bieten auch jüngeren Kindern an, in den Kampfsport hineinzuschnuppern.
Fotos: redkon GmbH
Juli 2013