Wissen / Reportage

Bunte Welt

Kinder in Vietnam

In Vietnam gibt es fast dreimal so viele Kinder wie in Deutschland: Jeder dritte Vietnamese ist jünger als 14 Jahre und nur ein Drittel der Bevölkerung ist älter als 30 Jahre! Wie der Alltag vietnamesischer Kinder aussieht, hängt viel stärker als in Deutschland davon ab, ob sie in einer Stadt oder auf dem Land leben.
In der Stadt
Sie spielen Fußball, fahren auf Rollerskates und wagen mit ihren Skateboards immer spektakulärere Sprünge. Viele Kinder in vietnamesischen Großstädten verbringen ihre Freizeit nach der Schule nicht anders als Mädchen und Jungen in Deutschland. Doch wenn sie nach Hause gehen, treffen sie dort viel mehr Geschwister und die Familien leben in viel kleineren Wohnungen. 
Wie komme ich sicher über die Straße?
Vor allem in Städten ist es für Kinder lebenswichtig, das möglichst früh zu lernen. Pro Jahr kommen in Vietnam im Verkehr mehr als 12.000 Menschen ums Leben. Auf deutschen Straßen starben 2011 rund 4000 Menschen. In Deutschland können sich Kinder meist darauf verlassen, dass Autos und Motorräder an roten Ampeln stehenbleiben und vor Fußgängerwegen langsamer fahren.
In Vietnam nimmt solche Regeln kaum jemand ernst. Wie Bienenschwärme sausen Motorräder und Autos sogar durch enge Gassen. Ständig wird gehupt und jede winzige Lücke genutzt. Wichtigste Verkehrsmittel sind die 30 Millionen Motorräder, auf denen die Vietnamesen fast alles transportieren: große Kisten, Tierkäfige, sperrige Möbel. Autos können sich die meisten nicht leisten, bisher gibt es nur 1,5 Millionen davon. Motorradfahrer und Radler, aber auch viele Fußgänger und Kinder beim Spielen tragen einen Mundschutz, um möglichst wenige Abgase einzuatmen.
Auf dem Land
Wer hinaus aufs Land fährt, kommt in eine andere Welt. Die Familien wohnen auf engstem Raum in einfachen Hütten und Häusern. Das Wasser muss oft aus Brunnen geholt werden, in vielen Häusern gibt es keine Toilette, der Strom fällt immer wieder aus. Da es kaum Arbeitsplätze in Betrieben gibt, verdienen die Frauen und Männer ein wenig Geld mit schwerer Arbeit auf den Feldern. Viele halten sich Hühner, Ziegen, Schweine und Rinder und bauen Obst und Gemüse an. Wer etwas übrig hat, bietet es auf dem Markt im Dorf an. Ob Metzgerei, Schneiderei oder Lebensmittelladen: Alle Geschäfte sind ohne Fenster zur Straße hin offen. Oft ist der Verkaufsraum auch Wohn- und Esszimmer.
Kein Kino, kein Schwimmbad, zu Hause meistens kein Kinderzimmer, immer in einem Raum mit Eltern und Großeltern: Weil es oft ihr wichtigster Treffpunkt ist, gehen Mädchen und Jungen auf dem Land gerne in den Kindergarten oder in die Schule. Hier erleben sie etwas mit Gleichaltrigen, hier bereiten sie sich darauf vor, später in die Stadt zu ziehen, dort zu arbeiten und ein bequemeres Leben zu führen. Viele Eltern fahren ihre Jüngsten mit dem Motorrad zum Kindergarten. Die Älteren machen sich mit Fahrrädern auf den kilometerlangen Schulweg.