Wissen / Reportage

Bunte Welt

Bis Meridas rote Locken schwingen

Wenn Merida über die Kinoleinwand wirbelt, wirkt das fast so echt wie bei einer lebendigen Schauspielerin im wirklichen Schottland. Doch bei diesem Film waren Animatoren am Werk. PRIMAX zeigt euch, wie solche speziellen Programmierer an Supercomputern arbeiten.
Wer die besten Fachleute für Animationsfilme bei ihrer Arbeit beobachten will, kann das bei Pixar vor den Toren der US-amerikanischen Stadt San Francisco tun. Die 1200 Beschäftigten dieser Firma arbeiten immer gleichzeitig an fünf Werken und haben schon viele erfolgreiche Animationsfilme wie Toy Story, Ratatouille, Findet Nemo und Cars geschaffen. Von der Idee bis zum fertigen Film vergehen vier bis sechs Jahre.!

Von der Idee zum Drehbuch

„Lasst uns die Geschichte einer schottischen Königstochter erzählen!“ Als die Pixar-Chefs dieser Idee zustimmen, reist ein Team aus Produzenten, Schreibern und Designern wochenlang durch Schottland. Sie schauen sich Wälder, Burgen und Felsenküsten an, besuchen Märkte, Bogenschießwettbewerbe und die Hochlandspiele. Warum all das? Nur wer Schottland, seine Landschaft und Menschen selbst erlebt, kann einen Animationsfilm machen, in dem das Land so erscheint, wie es wirklich ist. Mit Tausenden Fotos, Videos, Zeichnungen und Notizen geht es zurück in die USA. Dort entsteht in wochenlanger Teamarbeit das Drehbuch des geplanten Films, in dem die Handlung genau beschrieben wird.

Starre Bilder im Storyboard

Wie soll der Film aussehen? Welche Szenen sind besonders wichtig? Solche Fragen beantwortet das sogenannte Storyboard. Wie in einem Comic wird darin auf Papier schon möglichst exakt gezeichnet, wie zum Beispiel Merida beim Bogenschießen gezeigt werden soll oder wie die Lords ihre ältesten Söhne präsentieren. Bis auf vielen Bildern der grobe Ablauf des Films zu erkennen ist, vergehen wieder einige Wochen.

Körper und Stimme kommen dazu

Es ist so weit! Merida und auch alle übrigen Figuren bekommen Körper. Für jede von ihnen wird ein Modell aus Ton geformt. Diese Modelle werden dann mit Scannern, also speziellen Kopiergeräten, in Computern abgespeichert und dort zu dreidimensionalen Figuren zusammengesetzt. Dreidimensional heißt in diesem Fall, dass man die Körper am Monitor von allen Seiten betrachten kann. Noch bevor die Programmierer mit ihrer Arbeit fortfahren, beginnen Schauspieler damit, im Studio den kompletten Text jeder Figur zu sprechen. Dabei wird das Gesprochene aufgenommen und die Sprecher werden gefilmt. Das ist nötig, um später am Computer ihre wichtigsten Mundbewegungen auf die Filmfiguren zu übertragen.

Die ersten Bewegungen ...

Programmierer pflanzen am Computer nicht nur Merida unsichtbare Knochen und Gelenke ein. Mithilfe solcher Steuerpunkte können ihre Kollegen, die sogenannten Animatoren, den Figuren dann Bewegungen beibringen. Auch die Umgebung, die schottischen Wälder und Berge, entstehen nun nach und nach am Computer. Als Vorlagen dienen die Bilder, Videos und Zeichnungen von der Schottlandreise.
Merida bekommt rote Locken. Doch ist es überhaupt möglich, künstlich nachzuahmen, wie so viele Locken in Wirklichkeit bei jeder Bewegung schwingen? An eine solche Aufgabe hat sich bislang noch niemand herangetraut. 1500 Locken müssen am Computer gezeichnet und einzeln animiert, also bewegt werden. Kein Wunder, dass allein an Meridas Haaren 18 Pixar-Fachleute sechs Monate lang arbeiten. Inzwischen bekommen auch alle übrigen Figuren Haare und Kleidung, die Landschaft wird mit unzähligen Details verfeinert. Auch Licht und Schatten passen jetzt zur jeweiligen Tageszeit.
Ab dem 2. August ist die abenteuerliche Geschichte von der schottischen Königstochter überall in Deutschland zu sehen. Dann kommt der neue Animationsfilm MERIDA in die Kinos.
Fotos: Disney/Pixar
August 2012