Wissen / Reportage

Bunte Welt

Anpacken und dranbleiben

„DAS will ich auch machen!“ So oder ähnlich fängt es an, wenn euch etwas gefällt. Manchmal flaut die Begeisterung schnell wieder ab. Weil dafür die Energie oder die Zeit fehlt oder es doch nicht so gut gelingt wie anfangs erhofft. Isabel und Kaspar begeistern sich seit Längerem für ganz Unterschiedliches. Jeder von ihnen hat gute Gründe, warum sich das so bald nicht ändern wird.
Isabel, Margret und Dieter sind sich einig
Die drei brauchten nicht lange zu überlegen, wie die Faschingsmaske auf der großen Malpappe aussehen soll. Mit wenigen Pinselstrichen malt Margret den Umriss der Maske. Isabel sorgt für einen roten Mund und grüne Augen, Dieter verziert die Ränder mit bunten Girlanden. Bastelstunde im Seniorenheim Kronthal: Seit eineinhalb Jahren kommt Isabel an jedem Dienstagnachmittag hierher. Die Idee dazu hatten Isabel und ihre Mutter zusammen. „Ich habe im Seniorenheim einfach gefragt, ob ich etwas gemeinsam mit den alten Menschen tun kann.“ Warum bastelt Isabel nicht mit ihren eigenen Großeltern? „Ich se he sie nur selten, weil sie in den USA leben. Auch deshalb ist es schön, wenn ich hier mit vielen Ersatz-Omas und -Opas zusammen bin. Daran soll sich auch nichts ändern.“ Sogar Freundinnen hat Isabel schon zur Bastelstunde mitgebracht: „Zuerst haben sie sich ein bisschen gewundert. Aber dann fanden sie es genauso toll wie ich.“
Warum nicht Gitarre oder Schlagzeug?
„Mit fünf habe ich zum ersten Mal bewusst CDs mit Geigenmusik gehört. Und mit meinen Eltern war ich auf Konzerten, bei denen auch Geige gespielt wurde“, erinnert sich Kaspar. „Die Töne haben mir sehr gut gefallen. Solche Töne wollte ich auch spielen können.“ Mittlerweile ist Kaspar zehn Jahre alt und immer noch begeistert von Geigentönen. Anfangs ging er zweimal pro Woche zur Geigenlehrerin.
„Meine ersten Töne klangen ziemlich schrill. Aber es wurde von Woche zu Woche besser. Klasse, dachte ich, so kann‘s weitergehen.“ Doch bald kam Kaspar nicht mehr voran. Nach einem halben Jahr ging er in die erste Gruppenstunde und staunte: „Die anderen Kinder konnten viel schneller spielen als ich. Wie sollte ich das jemals schaffen? Da war ich manchmal nahe dran aufzuhören.“ Doch Kaspar machte weiter und übte noch häufiger: einmal pro Woche Einzelunterricht, einmal in der Gruppe und viermal eine Viertelstunde lang kurz vor dem Schlafen gehen. „Seit ich fast jeden Tag spiele, mache ich Fortschritte. Und jeder Fortschritt spornt mich an.“
Schwimmen, schnell schwimmen
Auch da für begeistert sich Kaspar. Seit eineinhalb Jahren trainiert er drei- bis viermal pro Woche beim Schwimmklub der Nachbarstadt. Im Wasser ist vieles anders als an der Geige. „Beim Schwimmen bin ich dann zufrieden, wenn ich eine persönliche Bestzeit erreiche, also schnell bin wie nie zuvor, oder wenn ich bei Wettkämpfen zumindest Dritter wer de.“ Im Vergleich zu den stärksten Schwimmern hat Kaspar spät mit dem Leistungsschwimmen begonnen: „Auch deshalb werde ich wohl nie so gut wie sie werden.“ Kein Wunder, dass es schon Zeiten gab, in denen ihm das Schwimmen zu viel wurde. Bislang lässt Kaspar trotzdem kaum ein Training ausfallen.
Fotos: redkon GmbH
Februar 2012