Wissen / Reportage

Bunte Welt

Aufsteigen mit dem Ballon

Die Welt von oben sehen und lautlos dahinschweben! Dieser Traum ist für Antonia und Felix wahr geworden: an Bord eines Heißluftballons. Hier schildern sie ihre Erlebnisse.

Eine Wiese südlich von Mainz: Gemeinsam mit dem Piloten Ross Carter und Holger Scheibel von der Freiballon-Sportschule Mathes entfalten wir die riesige Ballonhülle. Danach wird der Korb mit dem Ballon und den beiden Brennern verbunden. Ein Gebläse pustet Luft in die Hülle, bis sie gut gefüllt ist. Wir dürfen sogar kurz ins Innere des Ballons hinein. Klasse! Als wir wieder draußen sind, zündet Ross die Brenner: Mit einer großen Flamme wird die Luft in der Ballonhülle erwärmt. Langsam beginnt sie sich aufzustellen. Schnell in den Korb hinein! Halt, erst noch kontrollieren, ob alles an Bord ist: Gasflaschen für die Brenner, Funkgerät, Landkarten, Navigationssystem, Erste-Hilfe-Koffer, Feuerlöscher.
Los geht's!

Wie ein fauchender Tigerhört es sich an, wenn Ross einen Brenner zündet. Wir haben gar nicht gespürt, dass der Korb vom Erdboden schon abgehoben hat. Hier drin geht es ganz schön eng zu. Ross erklärt uns den Grund: Bei einer härteren Landung können sich die Passagiere so gegenseitig abstützen und purzeln nicht durcheinander und tun sich auch nicht weh. Doch erst einmal wollen wir aufsteigen. Ganz hoch!

Felder, Weinberge, Straßen, Häuser, eine Fabrik!
Alles wirkt winzig klein. Da unten ist ein Fußballplatz, die Spieler sind so groß wie Ameisen. Wir sind ja auch 350 Meter über dem Erdboden. Komisch, hier oben ist es völlig windstill, ganz anders als auf dem Startplatz. Ach so, der Ballon fährt ja immer genauso schnell wie der Wind. Deshalb spüren wir keinen Luftzug.

Was, schon wieder landen? Stimmt, wir sind tatsächlich seit knapp einer Stunde in der Luft. Drei der vier Gasflaschen sind schon fast leer. Als Landeplatz sucht sich Ross das Feld dort vorne aus. Doch der Wind treibt uns noch immer zu schnell vor sich her. Wir müssen bremsen! Aber wie? Ross lässt den Ballon so weit sinken, dass wir mit dem Korb die Wipfel von Bäumen streifen. Es kratzt, es rauscht, ein kurzes Schwanken. Wir sind langsamer geworden, gut. Der Erdboden kommt immer näher. Festhalten! Rumms, der Korb setzt auf. Der Ballon zieht uns noch ein paar Meter weiter. Wieder kippt der Korb ganz leicht, dann bleibt er gerade und ruhig stehen. Puh, geschafft. Da hinten kommt schon Holger, der uns mit dem Auto hinterhergefahren ist. Er wird uns zur Freiballon-Sportschule zurückbringen.

Wie ein müder Riese neigt sich der Ballon zur Seite und sinkt schließlich zu Boden. Das tut er nicht freiwillig: Holger zieht an einem Seil, das von der Spitze der Ballonhülle herunterhängt. Ross und wir anderen bleiben so lange im Korb. Ohne unser Gewicht würde der Ballon wieder aufsteigen. Ross öffnet vom Korb aus alle Luftschlitze des Ballons. Erst als die Hülle schlapp am Boden liegt, dürfen wir aus dem Korb herausklettern. So, jetzt falten wir die Hülle wieder sorgfältig zusammen und stecken sie in einen Sack. Damit auch die letzte Luft entweicht, setzen wir uns gemeinsam mit Ross ein paar Minuten auf den Sack. Kaum zu glauben, dass der Ballon da hineinpasst! Nun alles auf den Anhänger laden, fertig. Bleibt nur noch eines zu klären: Wann steigen wir das nächste Mal auf?

Fotos: Gerhard Bayer
Februar 2018