Wissen / Reportage

Bunte Welt

Blick in die Welt

Wir Menschen hören mit den Ohren, riechen mit der Nase, schmecken mit der Zunge, fühlen mit der Haut und sehen mit den Augen. Unsere Sinne helfen uns, die Welt wahrzunehmen, sie zu begreifen und uns darin zu bewegen. Das wichtigste Sinnesorgan des Menschen sind die Augen. Hier erfährst du, wie sie funktionieren und warum sie uns manchmal täuschen. Und was bei den Augen von Tieren ähnlich und ganz anders ist.

Wenn das Gehirn falsch versteht, was die Augen sehen

Was deine Augen sehen, hat eine Form, eine Größe und meistens auch Farben. Diese Informationen werden an dein Gehirn weitergeleitet. Das Gehirn vergleicht die Informationen mit den Erinnerungen an vieles, was du zuvor schon gesehen hast: zum Beispiel Dinge mit ähnlicher Form, Größe und Farbe. Erst aus den neuen Informationen deiner Augen und gespeicherten Erinnerungen entsteht im Gehirn ein neuer Eindruck von dem, was du gerade siehst. Manchmal liegt das Gehirn falsch. In solchen Momenten verknüpft es die Informationen deiner Augen mit Erinnerungen, die nicht dazu passen. Dann glaubst du etwas zu erkennen, was in Wirklichkeit ganz anders aussieht. Oder was es gar nicht gibt. Ein solcher Fehler wird optische Täuschung genannt. Es gibt viele Arten davon.

Jedes Lebewesen sieht die Welt anders

Für Menschen ist das Sehen sehr wichtig. Manche Tiere vollbringen mit ihren Augen Leistungen, die für uns unerreichbar sind. Andere Tierarten sind auf gutes Sehen weniger angewiesen als die Menschen. Stattdessen sind bei ihnen andere Sinne besser entwickelt: Riechen, Schmecken, Hören oder Tasten. Um das Sehen von Menschen und Tieren vergleichen zu können, untersuchen Wissenschaftler vor allem vier wichtige Punkte:
Das Gesichtsfeld gibt an, wie viel ein Lebewesen zum Beispiel von einer Landschaft sieht, ohne den Kopf zu bewegen. Probiere es aus! Strecke beide Arme seitlich aus und bewege sie langsam so weit nach hinten, bis du sie nicht mehr sehen kannst. Wichtig: Halte dabei deinen Kopf still.
Wie scharf werden auch kleinste Feinheiten gesehen? Die Sehschärfe ist bei manchen Tierarten gering: Sie sehen verschwommen, weil es für sie nicht wichtig ist. Welche Farben können wahrgenommen werden? Wie genau können Bewegungen mit den Augen erkannt werden?

Warum sind zwei Augen besser?

Stell dir vor, du betrachtest einen Apfel. Dein rechtes Auge sieht die Frucht etwas mehr von der rechten Seite, dein linkes Auge etwas mehr von der linken Seite. Die beiden Bilder, die deine Augen aufnehmen, werden erst im Gehirn zusammengesetzt. Dadurch bekommst du einen räumlichen Eindruck vom Apfel. Damit fällt es dir leichter, die runde Form des Apfels einzuschätzen und mit deinen Händen nach dem Apfel zu greifen. Übrigens: Hühner haben zwar ebenfalls zwei Augen, können aber trotzdem nicht räumlich sehen. Warum? Ihre Augen sitzen seitlich am Kopf. Dadurch sehen sie zwei Bilder, die weit auseinanderliegen und vom Gehirn deshalb nicht zusammengesetzt werden können.

Warum sehen die Augen einer Tierart gerade so aus – und nicht anders?

Warum sehen manche Tiere besser, andere schlechter? Die Antworten darauf hängen immer davon ab, wie eine Tierart lebt und wie sie sich ernährt. Manche Tierarten sind fast blind. Wenn sich zum Beispiel der Maulwurf durch unterirdische Gänge gräbt, braucht er in der völligen Dunkelheit nichts zu sehen. Dagegen jagen Eulen in der Dämmerung und nachts. Deshalb sind sie auf Augen angewiesen, die die Beute bei ganz wenig Licht sicher und schnell erkennen. Auch Katzen jagen am liebsten abends und bei Nacht. Doch sie sehen fünfmal unschärfer als wir Menschen. Wie können diese Tiere trotzdem geschickte Jäger sein? Ihre Augen schaffen es, sogar kleinste Bewegungen bei wenig Licht wahrzunehmen.

Fotos und Illustrationen: Gerhard Bayer und Mirella Eckhardt
Juli 2016