Wissen / Reportage

Bunte Welt

Knete zum Essen

Kinder in ganz Deutschland und Europa, in China, Japan und Kanada spielen mit Essknete. Was vor Jahren zwei Mädchen gemeinsam mit ihrem Vater erfunden haben, wurde bislang mehr als 1,5 Millionen Mal gekauft. PRIMAX besuchte Luisa (12) und Sarah (15) Kaczmarek im hessischen Idstein.

Als die Küche zum Erfinderlabor wurde

Draußen regnete es! Sarah erinnert sich genau an diesen Nachmittag vor sieben Jahren: „Meine jüngere Schwester und ich formten aus normaler Spielknete Pizzas und Brezeln, die total lecker aussahen. Kein Wunder, dass Luisa immer wieder Knete in den Mund gesteckt hat.“ Luisa nickt: „Klar, ich probierte aus, meine Knetbrezel zu essen. Ich war ja erst fünf Jahre alt. Als ich ein Stück in den Mund nahm, schmeckte es nach Chemie. Scheußlich!“ Papa Stefan erklärte Luisa, dass es bestimmt nicht gesund sei, Spielknete in den Mund zu stecken. Da hatte Sarah eine Idee: „Warum gibt es eigentlich keine Knete, die man auch essen kann? So etwas wie ... Essknete!“
Sarahs Idee ging dem Vater nicht mehr aus dem Kopf. „Wir suchten im Internet und waren ganz baff, dass es bis dahin auf der ganzen Welt noch keine Essknete gab“, schildert Stefan Kaczmarek: „Dann versuchten wir monatelang, in unserer Küche Essknete selbst herzustellen.“ Es sollte ein essbarer Backteig werden, der sich so gut formen lässt wie Spielknete. Immer wieder wurden verschiedene Zutaten ausprobiert: vor allem Mehl, Wasser, Butter, Eier, Zucker, Öl, Stärke und Lebensmittelfarben. „Mal war der Teig zu matschig, mal zu klebrig“, erzählt Luisa.
Ein halbes Jahr lang tüftelten die drei Erfinder an einem Rezept, das die Essknete so werden ließ, wie es sich Luisa und Sarah wünschten. Endlich war es geschafft! Da fasste Papa Stefan einen mutigen Entschluss: Wie wäre es, Essknete in großen Mengen herzustellen und als Spielzeug in Supermärkten, Spielwarenläden und über das Internet zu verkaufen?

Alles Ersparte für 100.000 Packungen Essknete

Ein Unternehmen, das Backzutaten produziert, erklärte sich bereit, die Pulvermischung für Essknete zu liefern. Da die riesigen Maschinen nur große Mengen verarbeiten können, mussten die Kaczmareks auf einen Schlag 50 Tonnen Essknete kaufen. Dafür verbrauchten sie fast ihr ganzes erspartes Geld. Nun besaßen sie 100.000 Packungen, für die Käufer gefunden werden mussten. Doch die Idee mit der Essknete wurde schnell ein Erfolg: Kinder in immer mehr Ländern begannen mit Essknete zu spielen.
Vater Kaczmarek gab seine bisherige Arbeit auf und gründete eine eigene Firma. Gemeinsam mit Luisas und Sarahs Mutter kümmert er sich seitdem hauptberuflich darum, Essknete herstellen, verpacken und verschicken zu lassen, dafür Werbung zu machen und neue Kunden zu suchen. Luisa und Sarah sind stolz auf ihn. „Es ist lustig, wenn mich jemand fragt, was mein Vater arbeitet”, meint Sarah und schmunzelt. „Dann sage ich: Mein Papa macht Essknete!“
Fotos: Gerhard Bayer
Februar 2014