Wissen / Reportage

Bunte Welt

Wenn die Musik zum Glück führt

In Casting-Shows im Fernsehen werden Stars über Nacht geboren – und bald wieder vergessen. Die Primaxe zeigen euch den Weg, der Flo Mega zur Musik und zum Glück geführt hat

Ich hatte einen Schatz gefunden

BÄMS. So heißt das neue Album von Flo Mega. BÄMS! Ganz ähnlich klang es auch, als der 5-jährige Florian Bosum zu Hause in Bremen auf seinem selbst gebauten Schlagzeug aus Kochtöpfen und Teetassen spielte. „Ich war ein ruhiges Kind. Aber ich wünschte mir, auch mal laut zu sein. Als ich zum ersten Mal trommelte, hatte ich etwas erfunden, das nur mir gehört." Seiner Mutter gefällt die Trommelei nicht. Florian soll das Spiel auf „ordentlichen" Instrumenten lernen. So schickt sie ihn zum Blockflöten- und Klavierunterricht. Vor allem mit der Blockflöte fühlt sich Florian unwohl: Er darf darauf nicht kräftig pusten. „Ich wollte schon als Kind wie ein Vulkan aus mir herauskommen. Das konnte ich auf der Blockflöte nicht." Das Klavier liegt ihm schon eher. „Mit diesen Klängen konnte ich etwas ausdrücken, wie mit einer Sprache." Florians Noten in der Schule sind nicht besonders gut. Auch in seiner Klasse steht er eher im Schatten. Das ändert sich, als er mit 13 Jahren mit einem bis dahin in Deutschland wenig verbreiteten Sprechgesang beginnt. „Damals traute sich kaum jemand, Rap-Musik zu machen.

Mir war das egal. Ich hatte das Gefühl, einen Schatz gefunden zu haben. Es war für mich mehr als Musik. Es war meine Stimme, mein eigenes Wort." Plötzlich bekommt Florian viel Anerkennung. Er schreibt einen Rap-Song, in dem jedem Mädchen und jedem Jungen in seiner Klasse eine Zeile gewidmet ist. „Das war ein wichtiger Moment in meinem Leben. Dadurch kam ich aus meiner Stille heraus, ich hatte etwas zu sagen." Florian befreit sich, tritt mit anderen Rappern auf, lernt mehr Leute aus der Musikszene kennen und arbeitet an seiner Musik weiter.

Die Musik ist kein Nebenbei-Hobby mehr. Nach dem Abitur beginnt Florian dennoch ein Studium, das nichts mit Musik zu tun hat – vor allem, um seine Eltern zu beruhigen. „Nebenher hatte ich Aushilfsjobs. So lernte ich, wie hart Arbeit sein kann. Ich hatte nie viel Geld. Aber es reichte, um zu leben und Musik zu machen." Spätestens jetzt ist Florian zu Flo Mega geworden. Mit 32 Jahren belegt er 2011 den zweiten Platz beim Musikwettbewerb Bundesvision Song Contest und wird damit endgültig bekannt.
Zeitsprung ins Jahr 2019! Florians Sohn ist mit 5 Jahren heute genauso alt wie damals sein Vater, als der auf Kochtöpfen und Teetassen trommelte. Henri hat andere Interessen, er spielt gerne und gut Fußball. „Ich dränge ihm die Musik nicht auf. Henri soll selbst entscheiden, worin er sich entfalten will. Hauptsache, er wird glücklich.

Fotos: Gerhard Bayer, privat
September 2019