Wissen / Reportage

Bunte Welt

Anders als die meisten

Stellt euch vor, ihr lebt an einem Ort, an dem schon alle eure Vorfahren gelebt haben. Ihr wollt an diesem Ort bleiben, denn hier ist euer Zuhause und ihr habt alles, was ihr braucht. Auch ist euch wichtig, dass euch die Menschen von anderen Orten ganz in Ruhe lassen: Ihr wollt unter euch bleiben! Genau so geht es 100 Völkern in fast allen Erdteilen. In PRIMAX erfahrt ihr, wie diese Menschen leben und warum sie vor einer ungewissen Zukunft stehen.

Was sind indigene Völker?

Ob die Indianer in Nord- und Südamerika, die Inuit im Polargebiet, die Aborigines in Australien oder die Maori in Neuseeland: Sie alle zählen zu den rund 5000 indigenen Völkern. Damit sind die heutigen Nachfahren der Ureinwohner in den Regionen gemeint. Meistens werden die indigenen Völker unterdrückt, das heißt: Sie bekommen nicht die gleichen Rechte wie die übrigen Menschen in diesen Ländern. Oft nimmt man ihnen ihr Land weg und damit die Möglichkeit, sich selbst zu versorgen. Dadurch verschwinden nach und nach auch ihre jahrtausendealten Traditionen. Dabei zählen insgesamt 350 Millionen Frauen, Männer und Kinder zu diesen Völkern. Das sind viermal so viele Menschen wie in Deutschland. Viele indigene Völker haben wenig Kontakt zu den übrigen Menschen in ihren Ländern. Unter ihnen gibt es ungefähr 100 Völker, die gar nichts mit anderen Menschen zu tun haben möchten. Wer darauf keine Rücksicht nimmt und trotzdem zu ihnen vordringt, muss damit rechnen, angegriffen zu werden. Es ist wenig darüber bekannt, wie sie leben und was sie denken. Auch Fotos gibt es kaum. Immer mehr Menschen auf der ganzen Welt setzen sich dafür ein, dass alle indigenen Völker so leben können, wie sie es selbst wollen. Und wenn sie unter sich bleiben möchten, dann ist das ihr gutes Recht.

Awá – das bedrohteste Volk der Welt

Die Awá sind ein Indianervolk im Regenwald Brasiliens in Südamerika. Viele Jahrtausende lang wanderten sie in den riesigen Waldflächen umher und versorgten sich mit allem, was die Natur bietet. Seit etwa 100 Jahren wird das Überleben dieses Volkes immer stärker bedroht: von Siedlern, Viehzüchtern und Holzfällern, die den Awá immer mehr von ihrem Lebensraum weggenommen haben. Mittlerweile gibt es von den Awá nur noch rund 450 Männer, Frauen und Kinder. Schätzungsweise 100 von ihnen möchten keinen Kontakt zur Außenwelt, sie wollen unter sich bleiben. Auch wenn die meisten Awá in einem staatlich geschützten Teil des Regenwaldgebiets leben, ist ungewiss, wie lange es dieses Volk noch geben wird.

Hilfe für bedrohte Völker

Die einheimischen Volksstämme überall auf der Welt sollen ihr Leben selbst bestimmen können! Dafür setzt sich die Hilfsorganisation „Survival International“ seit mehr als 40 Jahren ein. Tolle Bilder und Videos über das Leben dieser Völker und viele weitere Informationen findet ihr im Internet: www.survivalinternational.de
Fotos: Gleison Miranda/FUNAI/Survival, Survival International, Fiona Watson/Survival International, Sarah Shenker/Survival International, Diego Cortijo/Survival, Conservation;
September 2014