Wissen / Reportage

Bunte Welt

Die kleine Hexe

Viele Millionen Kinder auf der ganzen Welt haben die Abenteuer der kleinen Hexe schon in Büchern gelesen, in Hörspielen gehört und in Filmen gesehen. VR-PRIMAX® stellt euch den Mann vor, der sich diese Geschichte vor genau 60 Jahren für seine drei kleinen Töchter ausgedacht hat.

Warum die kleine Hexe gut werden wollte

Es ist Walpurgisnacht, das wichtigste Fest aller Hexen! Die kleine Hexe wünscht sich sehr, auf dem Blocksberg mit den großen Hexen zu tanzen. Doch dafür ist sie mit 127 Jahren noch viel zu jung. Beim Versuch sich einzuschleichen wird die kleine Hexe entdeckt. Zur Strafe nimmt man ihr den Zauberbesen weg und lässt sie zu Fuß in ihr windschiefes Häuschen im Wald zurückkehren. Dort wohnt sie zusammen mit ihrem besten Freund, dem weisen Raben Abraxas.

Die Oberhexe gibt ihr ein Versprechen: „Wenn du eine gute Hexe wirst, darfst du an der nächsten Walpurgisnacht teilnehmen." So vollbringt die kleine Hexe ein ganzes Jahr lang gute Taten. Sie hilft armen Menschen, bestraft Bösewichte, rettet Tiere und findet neue Freunde. Der Hexenrat lehnt sie trotzdem ab: Die kleine Hexe hätte sich darum bemühen müssen, möglichst Böses zu hexen. Wer Gutes tut, gilt dagegen als schlecht. Welch eine Enttäuschung! Doch die kleine Hexe gibt nicht auf. Am Ende ihres Abenteuers ist sie auf der ganzen Welt die einzige Hexe, die hexen kann!

Otfrieds großer Traum

"Eines Abends sagten unsere kleinen Töchter vor dem Zubettgehen, sie hätten schreckliche Angst. Angst wovor? „Vor bösen Hexen!" Ich versuchte ihnen klarzumachen, dass man sich vor bösen Hexen nicht mehr zu fürchten brauche, weil es keine mehr gebe. „Und warum gibt es keine mehr?" Ja, warum eigentlich?
So hat Otfried Preußler geschildert, wie er auf die Idee zu einem Kinderbuch über eine kleine Hexe kam. Als Kind hatte ihm sein Vater Josef auf Wanderungen Geschichten von Hexen, Zauberern und Wassermännern erzählt. Auch Oma Dora berichtete ihrem Enkel häufig von Sagen mit guten und bösen Wesen. Kein Wunder, dass sich Otfried mit zwölf Jahren erste eigene Geschichten ausdachte und davon träumte, Schriftsteller zu werden. Mit 26 Jahren heiratete Otfried seine Freundin Annelies. Zwei Jahre danach kam die erste von drei Töchtern zur Welt. Um die Familie ernähren zu können, entschloss sich Otfried Lehrer zu werden. Während des Studiums arbeitete er als Reporter und schrieb Geschichten fürs Kinderradio. Bei seiner Arbeit als Lehrer unterrichtete er bis zu 50 Mädchen und Jungen. Wenn es in der überfüllten Klasse zu unruhig zum Lernen war, erzählte er Geschichten, in denen es auch um eine kleine Hexe ging. Nach Feierabend schrieb Otfried neue Geschichten.
Vor genau 60 Jahren, am 1. September 1957, erschien das Buch „Die kleine Hexe". Auch „Der kleine Wassermann", „Das kleine Gespenst", „Der Räuber Hotzenplotz" und „Krabat" gehören zu seinen Geschichten. Seine mehr als 35 Kinderbücher wurden weltweit 50 Millionen Mal verkauft. Im Februar 2013 starb Otfried Preußler, er wurde 89 Jahre alt.

Fotos und Illustrationen: Thienemann Verlag
August 2017