Wissen / Reportage

Bunte Welt

Der große Irrtum

„Leinen los!“, hieß es am 3. August 1492, als Christoph Kolumbus mit 90 Mann Besatzung auf den drei Schiffen Santa Maria, Niña und Pinta seine Reise ins Unbekannte begann ...

Wer war Kolumbus?

Christoph Kolumbus kam 1451 in der italienischen Hafenstadt Genua zur Welt. Wie sein Vater erlernte er den Handwerksberuf des Wollwebers. Doch bereits als Junge interessierte sich Kolumbus mehr für Schifffahrt und Seekarten, Sternenkunde und Reisen in ferne Länder. So fuhr er schon mit 14 Jahren erstmals zur See.

Was wollte Kolumbus entdecken?

Es ging ihm darum, den kürzesten Seeweg nach Indien und China zu finden. Mit diesen Ländern betrieben die Europäer damals viel Handel und kauften vor allem Gewürze und Seide. Der Transport der Waren dauerte bis dahin allerdings sehr lang. Besonders Portugal und Spanien waren an dieser kurzen Schiffsroute interessiert. Sie wollten bessere Geschäfte machen, Länder erobern, die Menschen dort für sich arbeiten lassen und Schätze erbeuten. Kolumbus hatte einen Plan, wie das Ziel erreicht werden konnte. Doch eine solche Entdeckungsreise war teuer. So suchte Kolumbus nach Geldgebern für Schiffe und Besatzung. Der portugiesische König lehnte schnell ab. Nach jahrelangem Warten erklärte sich das spanische Königspaar bereit, die abenteuerliche Reise zu bezahlen. Kolumbus erreichte noch mehr: Er würde Vizekönig der entdeckten Länder werden und bei künftigen Geschäften mitverdienen.

Wie verlief seine erste große Reise?

Auch nach mehr als zwei Monaten war noch kein Land in Sicht. Nach Kolumbus’ Berechnungen hätte Indien längst erreicht sein müssen. Die Besatzung war kurz davor, ihren Kapitän zum Umkehren zu zwingen. Da entdeckte ein Matrose einen Vogel und umhertreibende Äste. Am 12. Oktober 1492 betrat Kolumbus eine Insel, die er San Salvador („Heiliger Retter“) nannte. Die Ureinwohner begrüßten die Fremden freundlich. Für die Seefahrer waren sie bloß „Wilde“. Kolumbus nannte die Bewohner Indianer, weil er glaubte, auf einer Insel nahe Indien zu sein. Kurz darauf entdeckte er weitere Inseln: Hispaniola (heute Haiti und Dominikanische Republik) und Kuba. Dabei wurde eines der drei Schiffe zerstört: die Santa Maria. Auf Hispaniola errichtete Kolumbus eine Festung und herrschte dort als Vizekönig. In sein Tagebuch schrieb er, dass sich die Einheimischen „gut als Sklaven eignen“ würden.

Worin irrte sich Kolumbus?

Bis zu seinem Tod im Jahr 1506 wollte Kolumbus seinen Irrtum nicht wahrhaben: Mit seinen Schiffen hatte er nicht das asiatische Indien, sondern Mittel- und Südamerika erreicht. Wie konnte das passieren? Beim Austüfteln der Reiseroute verließ er sich auf Gelehrte, die den Umfang der Erde falsch berechnet hatten. So erwartete Kolumbus Indien ungefähr dort, wo in Wahrheit der amerikanische Kontinent beginnt.

Was geschah mit den Ureinwohnern?

Nach seiner ersten Reise stach Kolumbus noch dreimal in See. Nun wollte er keinen Seeweg entdecken, sondern Spanien und sich selbst reicher machen – durch Schätze und Sklaven. Was er als Entdecker begann, setzten Siedler aus Europa fort: Die Einheimischen wurden unterdrückt, zur Arbeit gezwungen und unzählige von ihnen ermordet.
Fotos: Abbildungen aus dem Band „Abenteuer! Maja Nielsen erzählt. Kolumbus“ © Gerstenberg Verlag;
Januar 2016