Wissen / Reportage

Bunte Welt

Einmal Molly Monster sein

Einem Zeichentrickstar die eigene Stimme leihen! Dieser Traum ist für Laura wahr geworden. Die 11-Jährige hatte in einer Leseraktion unseres Kindermagazins den Hauptpreis gewonnen: Gemeinsam mit Filmprofis konnte sie in einem Synchronstudio in München zum Spaß ausprobieren, die Hauptrolle im Zeichentrickfilm „Molly Monster“ neu aufzunehmen. Und am nächsten Tag hatte Laura für eine besondere Filmvorführung ein ganzes Kino nur für sich!

"Ohhh! Darf ich’s anfassen?“ Laura schaut mit großen Augen auf den Monitor an der Wand gegenüber und spricht die Worte direkt in das Mikrofon vor ihr. Im Drehbuch auf dem Pult des Aufnahmeraums steht bei dieser Szene der Hinweis „Glücklich!“. Laura versucht sich in das Gefühl hineinzuversetzen, das Molly Monster im Film gerade erlebt: Ihr Vater weckte sie auf, weil ihre Mama kurz zuvor das Ei mit dem Geschwisterchen gelegt hatte. Nun läuft Molly zum Bett ihrer Mutter und kann es kaum erwarten, das Ei zu berühren. „Ohhh! Darf ich’s anfassen?“

„Gut, Laura!“, erschallt es über einen Lautsprecher aus dem Technikraum nebenan. „Aber mache bitte nach dem ‚Ohhh!’ eine kurze Pause.“ Regisseurin Marika von Radvanyi gibt immer wieder Tipps, wie Lauras gesprochener Text noch besser zur jeweiligen Filmszene passen könnte. Manchmal sind sechs, sieben Versuche nötig, bis alles perfekt ist. Schon kommt die nächste Szene: Diesmal soll Molly ihren besten, manchmal etwas trägen Freund Edison dazu bringen, ihren gemeinsamen Koffer zu tragen. „Nein, das tust du!“, ruft Laura mit entschlossener Stimme. Die Regisseurin lächelt. Besser hätte es auch eine professionelle Synchronsprecherin nicht sagen können.

Zwei Stunden später sind im Synchronstudio Scalamedia alle geplanten Aufnahmen geschafft. Laura lässt sich vom Techniker am Mischpult hinter der dicken Glasscheibe zeigen, wie er ihren gesprochenen Text am Computer in den Film einfügt. In einer Fernsehsendung hatte sie schon einmal gesehen, wie Synchronsprecher arbeiten. „Aber erst heute konnte ich richtig spüren, wie schwierig es ist, sich immer wieder neu auf den Text und die Szenen zu konzentrieren. Das ist harte Arbeit!“

Am nächsten Morgen hat Laura eine besondere Verabredung: Um 11 Uhr läuft in einem Münchener Kino der Film „Molly Monster“. Laura hat den ganzen Kinosaal für sich allein. Nur noch wenige Minuten, dann wird sich der Vorhang öffnen. Zeit genug, um nach Lauras Traumberuf zu fragen. Sie lächelt. „Es wäre natürlich großartig, wenn ich Schauspielerin beim Film und im Fernsehen werden könnte. Aber am allerliebsten möchte ich Synchronsprecherin werden.“ Es wird dunkel im Saal, der Film beginnt. Bald darauf ist Mollys glückliches Gesicht ganz groß zu sehen: „Ohhh! Darf ich’s anfassen?“

Fotos: EuroVideo
April 2017