Wissen / Reportage

Bunte Welt

Flunkernder Hampelmann

„Es war einmal ein Stück Holz. Es war kein edles Stück Holz, alles andere als das. Nur ein ganz gewöhnliches Stück Brennholz, einer dieser dicken, festen Scheite, die man im Winter ins Feuer legt, damit es in kalten Zimmern schön warm und gemütlich wird.“
Mit diesen Worten beginnt die Geschichte von Pinocchio, dem berühmtesten Hampelmann der Welt. Millionen von Kindern kennen die Abenteuer der Holzfigur, die von Meister Geppetto aus einem Holzklotz geschnitzt wurde und plötzlich zu leben beginnt.

Geppetto wünscht sich sehr, dass aus Pinocchio ein „richtiges“ Kind wird. So schickt er ihn zur Schule. Dafür bastelt er Pinocchio einen Anzug aus geblümtem Papier, Schuhe aus Baumrinde und eine Mütze aus Brotteig. Da Geppetto sehr arm ist, verkauft er seine einzige Jacke, um das Geld für ein Schulbuch zusammenzubekommen. Auf dem Weg zur Schule beginnen Pinocchios Abenteuer: zum Beispiel mit dem bösen Zirkusdirektor, der ihn ins Feuer werfen will, mit den Ganoven Fuchs und Kater, die ihm Geld stehlen und an einem Baum aufhängen, und im Spielzeugland, wo er in einen Esel verwandelt wird. Doch Pinocchio ist in der feindseligen Welt nicht alleine: Eine sprechende Grille und eine schöne Fee stehen ihm bei. Bei seinen Abenteuern sagt Pinocchio oft nicht die Wahrheit: Mit jeder Lüge wächst seine Nase, was ihn natürlich verrät.
Am Ende trifft Pinocchio im Bauch eines Wales seinen Meister Geppetto wieder. Gemeinsam gelingt ihnen die Flucht. Zu Hause verspricht der flunkernde Hampelmann, ab sofort ehrlich zu sein und jeden Tag zur Schule zu gehen. Erstmals hält er ein Versprechen. Wie zur Belohnung wacht Pinocchio eines Morgens auf und ist ein Kind aus Fleisch und Blut.

Pinocchios Vater

Carlo Collodi gilt als Pinocchios Vater, denn der italienische Journalist und Schriftsteller hat sich die Abenteuer des Hampelmanns ausgedacht. Das war 1881. Eigentlich hieß er Carlo Lorenzini, wuchs in Florenz in ärmlichen Verhältnissen auf und hatte elf Geschwister. Für seinen Künstlernamen verwendete er den Namen des Geburtsorts seiner Mutter: Collodi. Im Alter von 55 Jahren geriet Carlo Collodi in Geldnot. Um etwas zu verdienen, schrieb er für ein italienisches Kindermagazin die Geschichte eines Hampelmanns. Die jungen Leser des Magazins waren von der Geschichte so begeistert, dass sie weitere Folgen forderten. So verfasste Collodi in zwei Jahren 36 Fortsetzungen. Schon 1890, nur sieben Jahre später, starb Collodi. Pinocchios Abenteuer wurden in fast alle Sprachen der Welt übersetzt und sind eines der meistgelesenen Kinderbücher.
Fotos: Knesebeck Verlag, Robert Ingpen
Juli 2014