Wissen / Reportage

Bunte Welt

Die Welt in kleinen Teilen

Seit Jahrhunderten haben junge und ältere Menschen großen Spaß daran, viele kleine Teile zu großen Bildern zusammenzusetzen. Hier erfahrt ihr, wie Puzzles hergestellt werden.

Als John zur Laubsäge griff ...

Es geschah vor fast genau 250 Jahren: Da klebte der Engländer John Spilsbury eine Landkarte von Großbritannien auf eine Holzplatte. Danach zersägte er die Karte vorsichtig entlang der Grenzen von Grafschaften und Landkreisen. Die einzelnen Teile legte der Kartenhändler und Kupferstecher in ein Kästchen und verkaufte das damals sogenannte Holzlegespiel an Schulen. Die Schüler setzten im Erdkundeunterricht die Landkarte wieder richtig zusammen und konnten so leichter die Grenzen in ihrem Heimatland lernen. Spilsburys Erfindung war ein großer Erfolg. Nicht nur Schüler, auch Erwachsene wollten Landkarten und Bilder mit anderen Motiven aus vielen Einzelteilen zusammensetzen – zum Lernen, aber vor allem aus Spaß. Das englische Wort Puzzle kam erst Jahre später auf. Auf Deutsch bedeutet es „Verwirrung“ und „Rätsel“. Die damaligen Puzzleteile waren noch nicht ineinander verzahnt und rutschten leicht auseinander. Es dauerte Jahrzehnte, bis die Teile durch kleine Ausbuchtungen und Nasen miteinander verbunden waren.

Vom Bild zum Puzzle

Wie werden Puzzles eigentlich produziert? Wir besuchten einen der größten Puzzlehersteller und schauten uns bei Ravensburger die einzelnen Arbeitsschritte genau an.
Welche Bilder eignen sich für ein Puzzle? Ist das Motiv interessant? Hat es genug spannende oder lustige Feinheiten? Ist alles schön scharf abgebildet? Sind die Farben leuchtend? Mit diesen Fragen beschäftigen sich die Puzzleredakteure bei der Auswahl eines Motivs. Danach wird das ausgewählte Bild am Computer so weit wie möglich verbessert: Es soll nicht nur schön aussehen, sondern auch gut zu puzzeln sein.

Das Puzzlebild wird mit einer Druckmaschine viele Tausend Mal gedruckt: auf Spezialpapier, das kaum Licht reflektiert. Wenn beim Puzzeln auf die Einzelteile grelles Sonnen- oder Lampenlicht fällt, sollen die Spieler nicht durch Spiegelungen gestört werden. Fachleute an der Maschine kontrollieren immer wieder auch mit Lupen, ob das Motiv und die Farben optimal gedruckt werden. Das bedruckte Papier ist zu dünn, um daraus ein Puzzle zu machen. Damit die Puzzleteile stabil genug sind, wird das Bild auf einen dicken blauen Karton aufgeklebt. Eine Presswalze sorgt dafür, dass Bild und Karton auf der ganzen Fläche fest verbunden sind.

Die Puzzleteile werden aus dem Bild nicht ausgeschnitten, sondern gestanzt. Das nötige Stanzwerkzeug muss erst einmal mit der Hand gezeichnet werden. Dafür ist viel Erfahrung und Sorgfalt nötig. Schließlich soll es unter den 1000 Einzelteilen keine zwei gleichen geben. Anhand der Zeichnung werden messerscharfe Bänder aus Stahl gebogen und auf einer Holzplatte befestigt. Um ein solches Stanzwerkzeug für 1000 Puzzleteile zu bauen, brauchen die Fachleute rund 160 Arbeitsstunden, also 20 Arbeitstage. Das Stanzwerkzeug wird jetzt in eine Stanzmaschine eingespannt. Sie zerteilt jeden Puzzlebogen innerhalb weniger Sekunden mit der riesigen Kraft von mehreren Hundert Tonnen in 1000 Teile mit feinen Nischen und Nasen.
Vollautomatisch, also mit Maschinen, wird das durchgestanzte Puzzlebild in seine Einzelteile zerbröselt und in einem Beutel verschweißt. In der Zwischenzeit werden in der „Überziehmaschine“ Kartons zu Schachteln gefaltet und mit den passenden bedruckten Papierbögen überzogen. Nun legt ein Mitarbeiter den Beutel mit den Puzzleteilen in die Schachtel und drückt ihn leicht flach. Im nächsten Schritt verschließt eine Maschine mit dem Namen „Zudeckler“ die Puzzleschachtel mit dem Deckel.

Bevor die Puzzles auf Paletten gepackt und ins vollautomatische Lager gebracht werden, kontrollieren Mitarbeiter an einem Förderband die Schachteln ein letztes Mal. Nach dem Transport in Spielwarenläden und Kaufhäuser warten die fertigen Puzzles dann auf ihre Käufer.

Fotos: Gerhard Bayer, Ravensburger
August 2016