Wissen / Reportage

Bunte Welt

Schmerzen vergessen!

PRIMAX besuchte das Deutsche Kinderschmerzzentrum in Datteln. Dort lernten Laura und Long (beide 13), ihre chronischen Schmerzen zu vergessen. Seitdem geht es beiden viel besser.

Deutsches Kinderschmerzzentrum

240 Kinder und Jugendliche suchen jährlich im Deutschen Kinderschmerzzentrum den Weg zurück in ein normales Leben. Drei Wochen lang wohnen sie hier und üben, ihren Alltag nicht mehr von Schmerzen bestimmen zu lassen. Dabei helfen Ärzte, Psychologen, Therapeuten und ein Pflege- und Erziehungsteam. In der Schmerzambulanz werden zusätzlich pro Jahr 1200 Kinder und Jugendliche mit ihren Eltern beraten. Das Deutsche Kinderschmerzzentrum gehört zur Vestischen Kinder- und Jugendklinik im nordrhein-westfälischen Datteln. Es ist seit 2002 die erste und einzige deutsche Klinik, in der chronische Schmerzen auf diese Weise behandelt werden. Die Website des Kinderschmerzzentrums bietet auch einen Zeichentrickfilm. Darin erfahrt ihr, welche Arten von Schmerzen es gibt und was jeder dagegen tun kann: www.deutsches-kinderschmerzzentrum.de
Long erinnert sich nicht gerne an die Zeit, bevor er ins Kinderschmerzzentrum kam. „Mein Vater war gestorben. Bei der Trauerfeier saßen viele Leute um mich herum, alle erzählten von ihm. Als ich abends im Bett lag, fing es an: starkes Stechen und Drücken im Kopf.“ Die Schmerzen hörten immer nur kurz auf und kamen jedes Mal zurück. „Die Hausaufgaben fielen mir immer schwerer, im Unterricht konnte ich nicht mehr aufpassen. Bald darauf blieb ich immer häufiger zu Hause. Mein ganzes Leben drehte sich nur noch um Schmerzen.“
Auch bei Laura führten Kopfschmerzen dazu, dass ihre Schulnoten immer schlechter wurden. „Ich war zuvor von der Grundschule in eine weiterführende Schule gekommen und hatte so viel Lernstress wie noch nie.“ Schließlich musste sie die Schule wieder verlassen. Wie Long traf Laura kaum noch Freunde und saß meistens zu Hause – mit Kopfschmerzen. Weder Ärzte noch Schmerzmittel konnten helfen.
Eines Tages hörten beide, dass es in Datteln eine Klinik gibt, die speziell Kinder und Jugendliche mit chronischen Schmerzen behandelt. Sie füllten Fragebögen aus und fuhren mit ihren Müttern zur Schmerzambulanz des Zentrums. Dort saßen sie mit Fachleuten an einem Tisch: zum Beispiel mit Ärzten, Psychologen und Therapeuten. Long und Laura erhielten den gleichen Rat: Kommt für drei Wochen ins Kinderschmerzzentrum und übt, mit den Schmerzen umzugehen! „Erst wollte ich nicht von zu Hause weg“, schildert Laura: „Dann wurde mir klar, dass ich es anders nicht mehr ausgehalten hätte.“

Sich schonen und bei Schmerzen ins Bett legen, dazu Medikamente?

Denkste! Wer wie Long und Laura ins Kinderschmerzzentrum kommt, soll aktiv sein, um möglichst wenig an Schmerzen zu denken. Die Tage für die 19 Kinder und Jugendlichen sind prall gefüllt: pünktlich aufstehen, Zimmer aufräumen, gemeinsam essen, Behandlung bei Psychologen und Therapeuten, lernen in der Klinikschule, Hausaufgaben erledigen, Sport treiben. Abwechselnd übernehmen die jungen Patienten verschiedene Dienste: zum Beispiel alle anderen aufwecken oder Tisch decken im Speisesaal. Trotzdem bleibt genug Zeit für Spaß.

Long und Laura sind wieder zu Hause

Sie gehen zur Schule und sie treffen sich fast täglich mit Freunden. „Manchmal habe ich noch Kopfschmerzen, aber nicht mehr so oft und nicht mehr so stark“, sagt Long. Auch Laura führt wieder ein Leben, das sie jahrelang nicht mehr kannte: „Ich bin nicht mehr so traurig. Selbst wenn mir der Kopf mal wehtut, kann ich heute alles machen, was ich will. Das ist ein gutes Gefühl.“
Fotos: Gerhard Bayer
August2014