Wissen / Reportage

Bunte Welt

„Schwimmen ist lebenswichtig!“

Als weltweit bekannte Schwimmerin errang Franziska van Almsick olympische Medaillen und mehrere Weltmeister- und Europameistertitel. Seit Jahren setzt sie sich dafür ein, dass Kinder bessere Chancen bekommen, schwimmen zu lernen.

Seit wann begeisterst du dich fürs Schwimmen?

Mein älterer Bruder hat mich oft vom Kindergarten abgeholt. Einmal nahm er mich zu seinem Training in der Schwimmhalle mit. Dort erlebte ich, wie er sich im Wasser bewegte. Als wir nach Hause kamen, sagte ich zu meiner Mutter: „Genau das will ich auch machen!“ Da war ich fünf Jahre alt. Danach habe ich das Schwimmen relativ schnell gelernt und war bald besser als die anderen Kinder in meinem Alter. Schon mit neun Jahren gewann ich landesweite Schwimmwettkämpfe für Kinder.

Warum bist du beim Schwimmen geblieben?

Das war genau mein Ding! Im Wasser fühle ich mich einfach wohl. Ich hatte auch das nötige Talent. Doch Talent reicht auf Dauer nicht aus. Um sportlich voranzukommen, musste ich sehr fleißig trainieren. Das war zum Teil schon sehr anstrengend.

War dir tiefes Wasser niemals unheimlich?

Ich hatte nie Angst davor. Auch meine beiden Söhne fürchten sich nicht vor tiefem Wasser. Ich glaube, es liegt daran, dass sie miterleben, wie wohl ich mich im Wasser fühle und wie leicht ich mich darin bewege.

Warum ist Schwimmen so wichtig?

Wer nicht Rad fahren kann, kommt trotzdem zurecht. Schwimmen ist lebenswichtig, denn früher oder später kommt jeder mit tiefem Wasser in Berührung. Schwimmen ist aber auch die allerbeste Gesundheitssportart. Irgendwann hören ältere Menschen auf, zum Beispiel Fußball oder Tennis zu spielen, weil ihr Körper dabei nicht mehr mitmacht. Schwimmen kann man in jedem Alter und sich dadurch auch mit 80, 90 Jahren noch fit halten. Vom Kopf bis zu den Zehen ist alles in Bewegung. Das fühlt sich toll an!

In jedem Jahr ertrinken in Deutschland mehrere Hundert Kinder und Erwachsene: Denkst du manchmal daran, wenn du schwimmst?

Wasser ist etwas ganz Tolles! Doch auch heute noch habe ich großen Respekt davor. Zum Beispiel würde ich bei schlechtem Wetter nie ins Wasser gehen – ob Fluss, See oder Meer. Und im Urlaub schwimme ich niemals eine längere Strecke, wenn kein anderer dabei ist. Es kann immer etwas passieren: Man kann einen Krampf in der Wade bekommen, atemlos werden oder sich furchtbar verschlucken.

Niemand will als Angsthase gelten: Mutproben beim Schwimmen können gefährlich sein, oder?

Versucht nicht, beim Schwimmen euren Freunden etwas zu beweisen. Achtet auf euer Bauchgefühl! Wenn ihr euch etwas nicht zutraut, dann macht es auch nicht. Ihr seid trotzdem coole Socken! Außerdem könnt ihr es ja beim nächsten Mal versuchen. Ihr könnt springen, tauchen und toben. Aber ihr solltet euch dabei immer gut und sicher fühlen.

Sind Verbote von Eltern überhaupt sinnvoll?

Ja, gerade am Anfang ist es beim Schwimmen absolut wichtig, auf die Eltern und den Schwimmlehrer zu hören. Doch ab einem bestimmten Alter können Kin¬der gut selbst einschätzen, was sie beherrschen und was sie überfordert. Meinem neunjährigen Sohn sage ich: Du kennst die Gefahren, du kennst dich – und jetzt entscheidest du. Das ist besser, als alles zu verbieten, was gefährlich sein könnte.

Als Sportlerin warst du sehr ehrgeizig: Sollte jeder versuchen, beim Schwimmen immer ein bisschen besser zu werden?

Klar! Es ist schon ein tolles Gefühl: schneller schwimmen, länger tauchen, eine andere Schwimmtechnik lernen. Ihr könnt später auch das Rettungsschwimmer-Abzeichen machen – und dann im Urlaub vielleicht einmal anderen Menschen das Leben retten.

Es gibt verschiedene Schwimmabzeichen. In Prüfungen kannst du zeigen, wie fit du im Wasser bist. Wichtig: Um sicher schwimmen zu können, solltest du dich nicht mit dem Seepferdchen-Abzeichen zufriedengeben. Versuche, mindestens das Jugendschwimmabzeichen Bronze (auch Freischwimmer genannt) zu bekommen.

Seepferdchen
- Vom Beckenrand springen und 25 Meter weit schwimmen
- Aus schultertiefem Wasser einen Gegenstand heraufholen
Jugendschwimmabzeichen Bronze
- Vom Beckenrand springen und 200 Meter weit in höchstens 15 Minuten schwimmen
- Aus 2 Meter tiefem Wasser einen Gegenstand heraufholen
- Vom 1-Meter-Brett oder vom Startblock ins Wasser springen
- Baderegeln kennen
Bei den Jugendschwimmabzeichen Silber und Gold kannst du zeigen, aus größerer Höhe ins Becken zu springen, zu tauchen und noch weiter zu schwimmen, mehrere Schwimmtechniken zu beherrschen und in Notfällen helfen zu können.