Wissen / Reportage

Bunte Welt

Spektakel nach Plan

Sie stürzen sich von Gebäuden herunter, springen aus Fenstern, kämpfen mit Fäusten und Waffen, überleben Explosionen genauso wie waghalsige Manöver mit Motorrädern und Autos. PRIMAX traf im Filmpark Babelsberg in Potsdam eine Frau und einen Mann, die in Filmen und Fernsehserien für spektakuläre Szenen zuständig sind.

Die wilde Fahrt auf dem Autodach hat Katja Köhler überstanden, ohne herunterzufallen. Nun muss sie sich mit einer Eisenstange gegen die Angriffe einer offenbar wütenden Frau schützen. Nur Minuten später stürzt sie von einem zwölf Meter hohen Turm herunter. Katja bleibt unverletzt, weil sie wie vorgesehen auf einer Schaumstoffmatte landet. Doch das sieht keiner der Zuschauer auf der Tribüne. Schauplatz der Stuntshow im Filmpark Babelsberg ist eine Arena, die wie ein erloschener Vulkankrater wirkt. Eine halbe Stunde dauert das Spektakel mit gespielten Verfolgungsjagden und Kämpfen, geplanten Explosionen und einem scheinbar brennenden Mann.
„Weil Regen den Asphaltboden so rutschig werden ließ, konnten wir heute manche Stunts gar nicht zeigen“, berichtet Katja, als sie mit noch nassen Haaren zum Interview kommt: „Das wäre zu gefährlich gewesen!“ Seit acht Jahren arbeitet sie vor allem als Stuntfrau. Die 34-Jährige hat mit Stunts schon bei Kinofilmen und Fernsehsendungen wie zum Beispiel Tatort-Krimis mitgewirkt. Katja trainiert aber auch Schauspieler für Rollen, in denen sie besonders fit sein oder reiten müssen. Um selbst fit zu bleiben, müssen Stuntleute oft trainieren. „Ich gehe regelmäßig reiten, mache Leichtathletik und Kampfsport.“ Auch spezielle Übungen gehören zu dem anstrengenden Beruf.
Atemberaubende Fahrten und Sprünge auf Motorrädern sind die Spezialität von Phillip Hoffmann. Er arbeitet bei der gleichen Stuntfirma wie Katja Köhler und tritt ebenfalls im Filmpark Babelsberg auf. Schon als Jugendlicher entdeckte Phillip seine Leidenschaft fürs Motorradfahren und heute noch betreibt er Motocross, also Motorradsport in unwegsamem Gelände. „Vor Jahren sprach mich ein Freund an, ob ich nicht wie er beim Stuntteam mitmachen möchte“, schildert der heute 28-Jährige.
Wie kommen Stunts zustande?
„Die Ideen haben wir oft beim Training. Wenn ich nur auf dem Hinterrad fahre oder zum Sprung ansetze, probiere ich aus, wie es noch spektakulärer aussieht.“ Überall auf der Welt verletzen sich Stuntleute, manche sterben sogar dabei. Wie geht er damit um? „Gerade bei spektakulären Stunts achte ich besonders auf meine Sicherheit. Ich wage niemals alles. Dann ist das Risiko nicht so groß. Aber da jeder irgendwann Fehler macht, kann immer etwas schiefgehen.“

Filmpark Babelsberg

Der Filmpark Babelsberg in Potsdam bietet nicht nur eine Stuntshow. Wer den Erlebnispark neben dem weltbekannten Filmstudio Babelsberg besucht, kann Bühnenbauern und Maskenbildnern beim Arbeiten zusehen, die Produktion des Sandmännchen-Kinofilms Schritt für Schritt verfolgen, durch die Filmkulisse einer mittelalterlichen Straße schlendern und sich auf beweglichen Kinositzen in Abenteuer stürzen. Was es sonst noch zu entdecken gibt, erfahrt ihr im Internet: www.filmpark-babelsberg.de
Fotos: Gerhard Bayer / Filmpark Babelsberg / Mathwig
September 2013