Wissen / Reportage

Bunte Welt

Hier gibt’s Luft nur aus der Flasche!

Unter Wasser mit Taucherbrille, Flossen und Pressluftflasche! Die Primaxe begleiteten Kinder bei ihrem ersten richtigen Tauchen – jedoch nicht im Meer, sondern in einem Hallenbad.

Schnuppertauchen heißt das Angebot des hessischen Tauchvereins Turtle Diving. Wie es sich anfühlt, mit Taucherbrille, Flossen und Pressluftflasche zu tauchen, und worauf sie dabei unbedingt achten sollten, lernen Jungen und Mädchen einen Nachmittag lang von erfahrenen Tauchern. Bevor es ins Wasser geht, erklären Alexander Karayilan und Markus Albert, welche Ausrüstung jeder bekommt. Zum Beispiel eine Pressluftflasche mit 2.000 Liter Luft – so viel Luft wie in einer Telefonzelle, nur zusammengepresst. Auch Taucherflossen tragen Mona und die anderen Kinder. Damit können sie schneller schwimmen und sich flinker bewegen und haben ihre Hände frei.

Tauche niemals alleine! Die wichtigste Regel gilt auch beim Schnuppertauchen. Wenn einem Kind schwindlig wird oder es Krämpfe im Bein bekommt, muss der Tauchlehrer gleich da sein. Weil Taucher unter Wasser nicht miteinander reden können, verständigen sie sich durch eine weltweit einheitliche Zeichensprache. So bedeutet zum Beispiel ein nach oben gestreckter Daumen: Sofort auftauchen! Und wenn Daumen und Zeigefinger einen Kreis bilden, heißt das: Alles okay!

Was stecken sich Taucher in den Mund, bevor sie im Wasser verschwinden? Einen Atemregler, der nur so viel Luft aus der Pressluftflasche durchlässt, wie der Taucher einatmen möchte. Weil die Nase von der Taucherbrille bedeckt ist, wird unter Wasser nur mit dem Mund geatmet. An jeder Pressluftflasche hängt noch ein zweiter Schlauch mit einem weiteren Atemregler. Wenn einem Taucher einmal die eigene Luft ausgehen sollte, kann er so den Luftvorrat seines Tauchpartners nutzen. Vor allem beim Tauchen im Meer kann das lebensrettend sein!

Endlich unter Wasser! Vorsichtig tauchen die Kinder hinab. Das Schwimmbecken ist fast vier Meter tief. Schon auf der halben Tauchtiefe spüren die meisten einen leichten Druck in den Ohren. Kein Wunder, das Wasser drückt tatsächlich gegen das Trommelfell: Das ist die dünne Haut, die das äußere vom inneren Ohr trennt. Wie sie es mit den Tauchlehrern geübt hatten, machen alle einen Druckausgleich: Nase zuhalten und so tun, als wollte man durch die Nase ausatmen! Ein Ploppen oder Zischen, fertig. Auf den Ohren ist kein Druck mehr. Wegen des Auftriebs im Wasser spüren die Kinder ihr eigenes Gewicht und das Gewicht der Pressluftflaschen viel weniger als an Land. Christopher schlägt einen Salto und läuft schräg an der Beckenwand hoch. Alles ist so leicht! Fast wie die Luftblasen, die nach oben steigen.

Nach 30 Minuten kommen die Mädchen und Jungen aus dem Wasserbecken heraus. „Ich habe das Gefühl, als wäre ich zwei Stunden lang unter Wasser gewesen", sagt Christopher staunend. Mona ist begeistert: „Ich habe unter Wasser einen Handstand auf meinen Fingerspitzen geschafft." Erst war es für sie ungewohnt, eine Pressluftflasche auf dem Rücken zu tragen und sich trotzdem ganz leicht bewegen zu können. „Schon nach ein paar Minuten habe ich mir gedacht: So müssen sich Fische fühlen!"

Fotos: Gerhard Bayer
März 2018