Wissen / Reportage

Bunte Welt

Christian und die groovenden Teufelchen

Wenn Christian Schenker mit der Band „Grüüveli Tüüfeli“ auf die Bühne kommt, gibt es für ihn kein Halten mehr. Er singt, schreit, spielt, hüpft, rennt und spritzt auch mal mit Wasser. Der Schweizer weiß, was seinem jungen Publikum gefällt: Seit fast 25 Jahren macht er Lieder extra für Kinder.

Die Freude an der Musik begleitet den 45 Jahre alten Liedermacher schon sein ganzes Leben lang: als Kind, in der Schule, als Erzieher im Kindergarten und als Musiklehrer. Seit 2011 macht Christian nur noch das, was ihn am meisten begeistert: seine Musik! Pro Jahr steht er rund 70-mal auf der Bühne. Und im nächsten Frühjahr wird seine neunte CD erscheinen.

Singen für Süßigkeiten

"Als ich noch ein Kind war", erzählt Christian, "haben wir zu Hause in der Familie oft gesungen. Und meine Mutter spielte auf der Gitarre dazu. Mein Vater hat zur Fastnachtszeit immer Verse für uns Kinder gedichtet. Die Verse drehten sich darum, was im vergangenen Jahr im Ort so alles passiert ist. Zu jeder Strophe malten wir ein Bild. So gingen meine jüngere Schwester, Nachbarskinder und ich im Ort von Tür zu Tür und sangen unsere Verse zu den Bildern – zur Melodie von „Juppheidi, juppheida!“. Zur Belohnung bekamen wir von den Leuten Süßigkeiten und manchmal sogar ein bisschen Geld. Das waren meine ersten Auftritte vor Publikum, auch wenn ich immer nur vor ein bis zwei Leuten gesungen habe. Weil wir Fastnachtsmasken trugen, fiel es mir leichter als ohne Maske. Ich war ja eher ein schüchternes Kind. Wenn ich heute darauf zurückschaue, war es damals der ideale Einstieg ins Rampenlicht."

Mit den Beatles auf der Straße

"Erst mit 11 Jahren fing ich an, Gitarre zu spielen und Unterricht zu nehmen. Ich wollte meine selbst ausgedachten Geschichten vortragen und auf der Gitarre dazu spielen. Meine Musik war schon damals das Transportmittel, um den Menschen etwas zu erzählen. Mit 16 Jahren hörte ich, wie ein italienischer Nachbar auf seiner Gitarre voller Begeisterung und mit viel Gefühl spielte. Das wollte ich auch können! Er zeigte mir ein paar Stunden lang, was ich bis dahin noch nicht konnte. Danach ließ ich mir von einem Gitarrenlehrer jahrelang noch viel mehr beibringen. Mit 18 Jahren hatte ich meine ersten richtigen Auftritte: Ich spielte in Konzertlokalen, Fußgängerzonen und auf Marktplätzen zuerst Songs von den Beatles und später auch Lieder mit meinen Texten."

So wurden die Teufelchen geboren

"Durch meine ersten Konzerte und den Verkauf von Musikkassetten und CDs mit meinen Liedern verdiente ich zusätzlich zu meinem Gehalt als Erzieher ein bisschen Geld. Damit erfüllte ich mir einen Wunsch: Ich nahm mit meinen Lieblingsmusikern, deren Konzerte ich gerne besuchte, eine CD auf. Die Aufnahmen im Studio bereiteten uns so viel Freude, dass wir seitdem auch Konzerte miteinander geben. Die Band „Grüüveli Tüüfeli“ war geboren. Der Fantasiename bedeutet so viel wie „groovende Teufelchen“. Seitdem ging es in kleinen Schritten immer weiter aufwärts. Das wirkliche Leben eines Musikers ist anders als in einer Casting-Show im Fernsehen. Es geht nicht steil bergauf. Dafür weiß ich: Wenn es mal bergab gehen sollte, dann auch nur langsam. Ich vergesse ja nicht von heute auf morgen, was ich jahrelang gelernt habe."

Fotos: Gerhard Bayer
Dezember 2016