Wissen / Reportage

Bunte Welt

Das Weltall erforschen

Es ist 46 Jahre her, dass der Amerikaner Neil Armstrong als erster Mensch den Mond betreten hat. Seitdem gelang es niemandem, einen Fuß auf einen weiteren Himmelskörper zu setzen. Doch Ingenieure und Wissenschaftler tun viel dafür, das Weltall immer weiter zu erforschen – ob mit Astronauten in der Raumstation ISS oder ferngesteuerten Raumsonden.

Warum war die Rosetta-Mission so spannend

Am 2. März 2004 startete eine europäische Rakete mit einer ganz besonderen Fracht an Bord. Sie brachte die Raumsonde Rosetta ins Weltall und setzte sie dort aus. Von diesem Moment an steuerten Fachleute im Europäischen Raumflugkontrollzentrum ESOC im hessischen Darmstadt Rosetta auf ihrem weiten Weg. Wie wurde die Raumsonde angetrieben? Die Solarzellen in den 14 Meter langen Flügeln wandelten das Sonnenlicht in Energie um. Nach rund zehn Jahren und 6,5 Milliarden Kilometern (in Zahlen: 6.500.000.000) erreichte Rosetta ihr Ziel zwischen Mars und Jupiter: den Kometen Tschuri. Im Inneren der Raumsonde befand sich ein Mini-Labor, das auf dem Kometen abgesetzt werden sollte. Diese Aufgabe war schwieriger als erwartet. Mit Kameras an Bord von Rosetta entdeckten die Fachleute in Darmstadt, dass die Oberfläche des Kometen voller Krater, hoher Klippen und Felsen war. Aus dem Untergrund stiegen Gas- und Staubfontänen empor. So dauerte es Wochen, bis ein geeigneter Landeplatz gefunden wurde. Dann war es so weit: Das kühlschrankgroße Labor wurde ausgeklinkt. Sieben Stunden lang sank es zum Kometen hinab und setzte unbeschädigt auf. Geschafft! Zum ersten Mal hatten Menschen ein Raumfahrzeug auf einem Kometen gelandet – ferngesteuert über eine unvorstellbar große Entfernung und dazu punktgenau.
Die Messgeräte im Mini-Labor sollten Informationen über die Stoffe sammeln, aus denen der Komet Tschuri besteht. Das ist deshalb interessant, weil Kometen so alt wie unser Sonnensystem sind, das vor 4,6 Milliarden Jahren entstanden ist. Das Labor funktionierte nur kurze Zeit: Seine Solarzellen bekamen zu wenig Sonnenlicht, um die Batterien aufzuladen. Trotzdem wurden so viele Daten gesammelt, dass Wissenschaftler auf der ganzen Welt damit jahrelang erforschen können, wie das Leben auf der Erde entstanden ist.

Was tun Astronauten in der Raumstation ISS

Wie eine Insel im Weltraum kreist die Internationale Raumstation ISS rund 400 Kilometer hoch über der Erde. Seit 14 Jahren sind immer wieder wechselnde Astronautenteams an Bord. Hier können sie Experimente durchführen, die auf der Erde nicht oder nur sehr aufwendig möglich wären. Schließlich herrscht im Weltraum Schwerelosigkeit und außerhalb der Raumstation gibt es keinen Sauerstoff, aber starke Strahlung. Die Temperaturen schwanken um mehrere Hundert Grad Celsius – je nachdem, ob die ISS gerade von der Sonne angestrahlt wird oder im Schatten fliegt. Die Experimente sollen dabei helfen, dass Menschen einmal zu Raumflügen starten können, die weit ins Weltall hineinführen. Die Astronauten wohnen und arbeiten monatelang im mittleren Teil der wie ein Gitter aufgebauten Raumstation. Am auffälligsten sind die 16 riesigen Sonnensegel, mit deren Hilfe aus Sonnenlicht Energie gewonnen wird. Die ISS ist das größte technische Gerät, das Menschen jemals in den Weltraum befördert haben: 110 Meter breit, mehr als 70 Meter lang, 30 Meter hoch. Und sie wächst weiter, denn immer noch werden Stationsteile mit Raketen von der Erde zur ISS befördert und dort angebaut. Kein Staat hätte eine solche Raumstation alleine entwickeln und bezahlen können. Die ISS war nur möglich, weil 16 Länder aus aller Welt zusammenarbeiten, darunter auch Deutschland.
Fotos: ESA
April 2014