Wissen / Reportage

Bunte Welt

Willi hilft syrischen Kindern

Fragen stellen, Filme drehen, Bücher schreiben, die Welt erforschen und Abenteuer erleben: All das macht Willi Weitzel, der als Reporter mit der Fernsehserie „Willi wills wissen“ bekannt wurde. 8000 Kilometer weit ist er mit einem Lastwagen an die türkisch-syrische Grenze gefahren und hat dort Flüchtlingskindern geholfen.

„Ich fühle mich oft hilflos, wenn ich Zeitung lese oder mir Fernsehnachrichten anschaue. Kein Einzelner kann die ganze Welt retten. Doch in diesem Fall dachte ich: Das darf nicht sein! Da muss ich etwas tun!“
So beschreibt Willi Weitzel, was in ihm vorging, als er von der Not der syrischen Flüchtlingskinder erfuhr. Seitdem im asiatischen Staat Syrien der Bürgerkrieg tobt, lassen mehrere Hunderttausend Familien in Todesangst alles zurück und fliehen in andere Länder. Dort sind sie sicher, aber es fehlt vor allem an Essen, Kleidung und Arbeit. Willi wollte mehr tun, als eine Spende zu überweisen. „Ich wollte die syrischen Kinder selbst treffen.“ Zusammen mit seinem Bruder Manuel fasste er einen mutigen Plan: Geld und nützliche Dinge sammeln und dann alles in einem Lastwagen fast 4000 Kilometer weit in ein Kinderhaus an die türkisch-syrische Grenze bringen, nicht einmal 50 Kilometer vom Krieg entfernt.
Schon nach vier Monaten hat Willi viel gesammelt: Privatleute, Firmen, Vereine, Schulen und Kirchengemeinden spenden 27.000 Euro. „Sensationell“, findet er, dass 1000 deutsche Kinder auch etwas von sich abgeben: zum Beispiel Bälle, Sportschuhe, Spiele, Malstifte, Schulranzen, Bauklötzchen und Kuscheltiere. Eine Fahrschule stellt kostenlos einen Lastwagen für die lange Fahrt bereit. Der Lastwagen kann mit unzähligen Kisten und 3000 Kilogramm Hilfsgütern beladen werden. Eine tagelange Fahrt quer durch Europa beginnt: Die ersten Etappen sind Deutschland, Österreich, Ungarn, Rumänien und Bulgarien. Willi und Manuel wechseln sich am Steuer ab.
In der bulgarischen Stadt Harmanli legen die Brüder einen Halt ein. Hier gibt es ein großes Flüchtlingslager, in das sich viele syrische Familien gerettet haben. Willi und Manuel verteilen fast alles, was im Lastwagen ist. Sie sind erschüttert darüber, wie ärmlich die Menschen im Lager leben.
Weiter nach Istanbul! In der türkischen Großstadt kaufen Willi und Manuel vom Spendengeld eine Lastwagenladung voller Dinge ein, die für Flüchtlinge nützlich sind oder ein wenig Freude bringen: vom Handtuch bis zum Malkasten. Dann setzen sie sich wieder ans Steuer und fahren in Richtung der Grenze zu Syrien.
Am Ziel! Im Kinderhaus in Antakya leben 150 Mädchen und Jungen aus syrischen Flüchtlingsfamilien. Willi und Manuel begegnen endlich den Kindern, die ihnen seit Monaten nicht mehr aus dem Kopf gehen. „Klar, wir haben Dinge gebracht, über die sie sich sehr freuten. Aber wir zeigten ihnen auch, dass sie nicht vergessen sind!“ Willi und Manuel wissen, dass es die Flüchtlingsfamilien trotz ihrer Hilfsaktion schwer haben, ein Dach über dem Kopf und genug zu essen zu bekommen. Auch viele Kinder müssen deshalb arbeiten gehen. „Ich habe ein elfjähriges Mädchen kennengelernt, das an sechs Tagen in der Woche zwölf Stunden lang in einer Kleiderfabrik arbeitet“, schildert Willi: „Deshalb kommt es immer noch auf jede Spende und jedes Geschenk an.“
www.williwillhelfen.de
Auf dieser Website findest du weitere Bilder über Willis Hilfsaktion für syrische Flüchtlingskinder. In seinem Online-Tagebuch kannst du die Reise ganz genau nachlesen. Und du erfährst, wie jeder für syrische Kinder spenden kann.
Fotos: Thomas Strothjohann, Welterforscher Film und so weiter GmbH
Oktober 2014