Wissen / Reportage

Welt der Tiere

„Wo sind bloß unsere Löffelhunde?“

Das fragten sich jüngst die Pfleger des Opel-Zoos bei Frankfurt am Main. Knapp ein Jahr zuvor hatte hier ein Tierpärchen mit auffallend großen Ohren ein neues Zuhause gefunden. Doch nun waren die beiden Löffelhunde seit mehreren Tagen und Nachten nicht mehr aus ihrer Erdhöhle herausgekommen. Selbst leckeres Futter konnte sie nicht hervorlocken.

Endlich!

Die Löffelhunde verlassen ihren unterirdischen Bau wieder, doch immer nur ganz kurz. Die Pfleger stehen vor einem Rätsel. Schmeckt den Tieren das Futter nicht mehr oder fühlen sie sich aus anderen Gründen unwohl? Dann, nach mehr als drei Wochen der Ungewissheit, ist an einem Morgen alles klar: Zwei kleine Wesen mit schon erstaunlich langen Ohren strecken erstmals ihre Nasen aus dem Erdloch heraus. Die erwachsenen Löffelhunde haben Nachwuchs bekommen! Zunächst blieben die Jungen im Untergrund, weil sich ihre Augen erst nach Tagen öffnen. Bis zu vier Monate lang wird sie ihre Mutter noch mit Milch versorgen. Doch schon jetzt bringen ihnen die Elterntiere etwas von der Nahrung, die die Pfleger in größerer Entfernung ablegen.
Nun dürfen die jungen Löffelhunde immer länger nach draußen. Mit tapsigen Bewegungen lernen sie die Umgebung kennen. Besonders interessant sind die Straußenvögel, mit denen sich die neue Löffelhundfamilie das große Gehege teilt.

Loffelfüchse!

So werden Löffelhunde wegen ihrer fuchsähnlichen Schnauzen manchmal bezeichnet. Dennoch zählen Biologen sie zu den Hunden. Mit einer Rückenhöhe von nur 35 Zentimetern sind Löffelhunde ziemlich klein und werden auch nur 4 bis 5 Kilogramm schwer. Dafür haben sie vergleichsweise riesige, bis zu 13 Zentimeter lange Ohren. Damit können sie nicht nur besonders gut hören. Mithilfe der großen Ohren fällt es ihnen auch leichter, überschüssige Körperwärme abzugeben und deshalb sogar mit großer Hitze zurechtzukommen. Ihr natürliches Zuhause sind die Savannen in Afrika. Dort schlafen sie in unterirdischen Bauten, die sie entweder selbst gegraben oder von anderen Tieren wie Springhasen oder Erdferkeln übernommen haben.

Was es in der Wiese wohl alles zu erleben gibt?

Einer der beiden jungen Löffelhunde ist besonders wagemutig und macht sich allein auf Entdeckungstour. Dabei kommt er den mächtigen Füßen eines Straußenvogels gefährlich nahe. Plötzlich ist ein Pfeifen zu hören. Es stammt von der Mutter, die aufgeregt herbeigelaufen kommt. Dieser Warnton zeigt dem Jungen: Gefahr! Sofort stehen bleiben! Mama Löffelhund packt ihren Nachwuchs am pelzigen Nacken und trägt ihn zurück zum sicheren Bau. Normalerweise sind Löffelhunde sehr stille Tiere. Die häufigsten Laute sind hohe Heultöne. Alt- und Jungtiere verständigen sich aber auch durch ein Pfeifen, das an Vögel erinnert.
Fotos: redkon GmbH
September 2012