Wissen / Reportage

Welt der Tiere

Die Räuber von der Insel

Löwen, Tiger und Bären sind die bekanntesten Räuber im Tierreich. Diesmal stellen wir euch eine ungewöhnliche Raubtierart vor. Über Fossas wussten auch Forscher lange Zeit wenig. Frei lebend gibt es diese Tiere nur auf einer einzigen Insel: auf Madagaskar.

Warum sind Fossas für Forscher so rätselhaft?

Wer sich eine Fossa genauer anschaut, kommt leicht durcheinander: Ihr längliches Gesicht ähnelt einem Fuchs, die großen Augen deuten auf eine Katze hin, die breiten Tatzen könnten zu einem kleinen Bären gehören und der lange Rumpf mit den kurzen Beinen erinnert an einen Puma. Wissenschaftler tun sich schwer damit, diese katzenartigen Räuber einer Tierfamilie zuzuordnen. Sie brauchten auch lange, um etwas über die Lebensweise der Fossas herauszufinden. Warum? Weil Fossas in freier Natur nur in den Regenwäldern der Insel Madagaskar vorkommen und dort immer seltener werden. Außerdem sind sie nicht in Gruppen, sondern nur einzeln unterwegs.

Nirgendwo sonst!

Vor 90 Millionen Jahren war es so weit: In einer Zeit, in der sich die Landmassen auf der Erde viel schneller und weiter bewegten als heutzutage, hatte sich Madagaskar erst vom afrikanischen, dann auch vom indischen Festland gelöst und war zur Insel geworden. Die frühe Trennung hatte Folgen. Im Laufe der Jahrtausende entstanden Tier- und Pflanzenarten, die es in freier Natur nirgendwo anders gibt: zum Beispiel die Fossas. Noch immer stoßen Forscher Jahr für Jahr auf bislang unbekannte Tiere und Pflanzen.

Vom Aussterben bedroht!

Früher war Madagaskar fast vollständig von Regenwald bedeckt. Dort fühlen sich Fossas am wohlsten. Seit ein paar Hundert Jahren leben immer mehr Menschen auf der Insel. Um sich zu ernähren, bauen die Madagassen (so heißt die Bevölkerung Madagaskars) Reis, Mais, Kaffee und Gewürze an. Den Platz für Felder schaffen sie durch das Abholzen der Regenwälder. Da Strom auf Madagaskar sehr teuer ist, wird auch in Städten das Holz der Bäume zum Heizen und Kochen verwendet. Und das ist noch nicht alles: Große Unternehmen fällen immer mehr Bäume, um aus dem Holz edle Möbel und Parkettböden herzustellen und teuer zu verkaufen. Vom Regenwald auf Madagaskar ist dadurch kaum etwas übrig geblieben. Damit haben die Fossas fast ihren ganzen natürlichen Lebensraum verloren. Obwohl es mittlerweile Nationalparks und Schutzgebiete mit Regenwäldern gibt, haben weniger als 2500 Fossas überlebt. Da diese Tiere nirgendwo anders in freier Natur leben, wäre ihre Ausrottung auf Madagaskar besonders schlimm.

Fotos: Gerhard Bayer
Mai 2017