Wissen / Reportage

Welt der Tiere

Warum Mähnenrobben gerne lernen

Mähnenrobben können schnell schwimmen und im Wasser Haken schlagen. Doch das reicht ihnen nicht: Sie haben Freude daran, immer wieder Neues zu lernen. Warum ist das so?
Die Primaxe trafen sich mit Tierpflegerin Bianca Weißbarth zum Interview.

Haben Mähnenrobben wie wir Menschen auch unterschiedliche Interessen und Stärken?

Ja, manche lernen schnell, andere brauchen länger. Wir fördern immer die Stärken: Eine von ihnen mag Bälle nicht. Deshalb versuchen wir erst gar nicht, diesem Weibchen das Balancieren mit einem Ball beizubringen. Dagegen macht es zwei anderen Mähnenrobben viel Spaß, mit Bällen zu spielen. Darin bestärken wir sie, so lernen sie gerne und schnell.

Gibt es nur dann eine Belohnung, wenn etwas gut geklappt hat?

Nein, wir geben ihnen immer die gleiche Menge Fisch. Jedes Mal, wenn eine Mähnenrobbe eine Übung geschafft hat, lobe ich sie, indem ich mit der Hand auf ihre Nase tippe. Dann ist ihr klar, dass sie es richtig gemacht hat.

Warum bringen Sie den Tieren überhaupt etwas bei?

Mähnenrobben sind sehr intelligent. Auch in der freien Natur probieren sie spielerisch immer wieder Neues aus: Sie schleudern mit ihren Schnauzen Steine weg oder springen aus dem Wasser in die Luft. Sie wollen Spaß haben. Und das Spielen hält sie geistig fit. Manche Übungen sollen ihnen nur Freude machen: zum Beispiel mit dem Ball zu balancieren oder mit den Flossen zu klatschen. Wir haben auch Übungen, die uns die Arbeit ganz nebenbei erleichtern: Wenn sich die Robben zum Beispiel auf mein Kommando „Schlafen" ruhig auf den Boden legen, dürfen wir sie abtasten und der Tierarzt kann Blut abnehmen oder eine Spritze geben.

Wie hat eine Mähnenrobbe sogar gelernt, auf einer Mundharmonika zu spielen?

Erst wartete ich, bis sie beim Ausatmen die Nasenlöcher öffnete. In diesen Momenten lobte ich die Robbe heftig und gab ihr Fisch. Mit der Zeit lernte sie so, dass Ausatmen auf mein Handzeichen eine Leistung ist, für die sie gelobt wird. Dann zeigte ich ihr die Mundharmonika, bis sie begriffen hatte, dass davon keine Gefahr ausgeht. Diese Mähnenrobbe ist so neugierig, dass ich ihr die Mundharmonika schon bald direkt unter die Nase halten konnte. Als sie ausatmete und aus der Mundharmonika erstmals Töne kamen, habe ich sie wieder gelobt.

Fotos: Gerhard Bayer
September 2019