Wissen / Reportage

Welt der Tiere

Nur nachts unterwegs

Wir Menschen sind tagsüber wach. Wir brauchen das Licht und wir mögen es auch. Wenn die Sonne untergegangen ist, legen wir uns schlafen. Bei vielen Tieren ist das umgekehrt. Sie schlafen tagsüber und sind munter, wenn es Nacht wird. PRIMAX stellt euch solche nachtaktiven Tierarten vor.

Springhase

Springhasen kennen nur das dunkle Afrika. Tagsüber schlafen sie in selbst gegrabenen, lichtlosen Höhlen, die fast einen Meter unter der Erdoberfläche der Halbwüsten und Savannen liegen. Nachts verlassen sie ihren Bau und suchen nach Gräsern und Kräutern.
Große Nachtaugen und lange Löffel mit empfindlichen Gehörblasen helfen ihnen, jede Bewegung und jedes Geräusch mitzubekommen. Das ist auch nötig, denn die Dunkelheit schützt Springhasen kaum vor ihren zahlreichen Feinden: Schakale, Honigdachse, Warane, Schlangen und Eulen sind zur gleichen Zeit auf der Jagd. Zum Glück können Springhasen mit ihren kräftigen, langen Hinterbeinen meterweite Sätze machen und so blitzschnell wieder in ihre Höhlen zurückkehren. Dort angekommen nutzen sie die gebogenen Krallen an den kurzen Vorderpfoten, um die Eingänge ihres Baus mit Sand zuzuschütten.

Tamandua

Ob im Regenwald oder in weitläufigen Parks: Wenn in Süd- und Mittelamerika die Sonne untergeht, beginnen für Tamanduas anstrengende acht Stunden. Etwa so lange suchen die kleinen Ameisenbären, wie sie auch genannt werden, Nacht für Nacht nach Insekten. Eigentlich fühlen sie sich auf Bäumen am wohlsten: Der muskulöse Wickelschwanz und die mächtigen Krallen an ihren Vorderfüßen machen die rund 60 Zentimeter langen Tiere zu sehr guten Kletterern. Am Boden zeigen Tamanduas einen ungewöhnlichen Laufstil: An den Vorderpfoten setzen sie nur die seitlichen Polster auf, um sich durch ihre langen Krallen nicht selbst zu verletzen. Diese Krallen helfen ihnen auch, betonharte Termitennester aufzubrechen. In die Löcher stecken sie die rüsselförmige Schnauze und lecken dann mit ihrer bis zu 40 Zentimeter langen Zunge die Insekten auf. Die Ameisenbären fressen die Insektenbauten niemals ganz leer, sondern vertilgen immer nur einen Teil der Insekten. Auch achten sie darauf, die Nester nicht zu stark zu beschädigen. Schließlich sollen sich die Termiten wieder vermehren – bis zum nächsten Besuch der Tamanduas. Auf dem Speiseplan stehen außer Termiten, Ameisen, Grillen und Bienen auch Früchte. Diese zerkleinern die Ameisenbären mit ihren Krallen und lecken sie dann erst auf. Anders geht es nicht, denn Zähne fehlen ihnen. Bis sich die etwa sechs Kilogramm schweren Tiere in der Dunkelheit satt gefressen haben, ist der Sonnenaufgang nahe. Dann ziehen sie sich in Baumhöhlen und auf Astgabeln zurück und verschlafen den Tag.

Hier könnt ihr Nachttiere beobachten

Immer mehr Zoos haben Nachttierhäuser, in denen tagsüber eine künstliche Nacht geschaffen wird. Dafür genügt es nicht, nur das Licht auszuschalten. Auch Temperatur und Luftfeuchtigkeit sind genau so, wie es nachtaktive Tiere lieben. Um die Tierarten zu sehen, solltet ihr etwas Geduld mitbringen: Das menschliche Auge braucht zehn Minuten, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen.
Fotos: redkon GmbH
Februar 2013