Wissen / Reportage

Welt der Tiere

Das Neueste von E. T.!

Vor Kurzem feierte E.T. seinen ersten Geburtstag – mit einer Extraportion Trauben. Aus dem winzigen Tierbaby ist ein stattliches Parma-Känguru geworden. An jedem Tag lernt er mehr von der Welt um ihn herum kennen. Bald wird E.T. die erste Nacht im Freien verbringen. Seine menschliche Ersatzmutter Biga Kruse ist deshalb schon ganz aufgeregt.

Es gibt so viel zu lernen!

Mit 13 Monaten ist E.T. schon fast so groß wie ein erwachsenes Parma-Känguru. Seine Artgenossen werden vom Kopf bis zum Popo bis zu 50 Zentimeter lang. Dazu kommt der Schwanz mit 40 bis 55 Zentimeter Länge. Als E.T. in der Klingelbacher Mühle ankam, wog er gerade mal 145 Gramm, heute zeigt die Waage schon 2400 Gramm an. „Wenn mein Kleiner weiter gut frisst, wird er zwar nicht mehr viel größer, aber kräftiger und dadurch auch schwerer“, sagt Biga Kruse und lächelt.
Eine Nische im Wohnzimmer ist E.T.s eigenes Reich im Haus: mit beheiztem Fußboden, Stroh als Unterlage, Fototapete, Umrandung aus Holzstäbchen und einem flachem Gitter. Biga schlüpft durch das Türchen und setzt sich zu E.T. In einem Stoffbeutel hat sie jemanden mitgebracht, den E.T. gut kennt: Mathilda. Auch dieses Kängurubaby war von seiner Mutter verstoßen worden. Eine Tierpflegerin hatte Mathilda in einer Ecke des Kängurugeheges in einem Tiergarten bei Berlin gefunden und bei den Kruses angerufen.
Die Zeit drängte: Mathilda atmete kaum noch, war unterkühlt und schon von Ameisen angefressen. Dieter Kruse setzte sich ins Auto und holte das Findelkind in die Klingelbacher Mühle. Seitdem bekommt Mathilda die gleiche Pflege wie E.T.: lebenswichtige Wärme im Brutkasten, rund um die Uhr Kängurumilch aus der Flasche und ganz viel Geborgenheit bei Biga im Stoffbeutel. Mathilda geht es mittlerweile viel besser. Bald wird sie den Beutel zum ersten Mal verlassen. Obwohl viel jünger als E.T., wird Mathilda bald fast so groß sein wie er. Der Grund: Mathilda ist ein Bennett-Känguru, die größer als Parma-Kängurus werden. Die beiden scheint das nicht zu stören. „Ich bin froh, dass sich E.T. und Mathilda toll verstehen“, sagt Biga: „Vielleicht werden sie später gute Spielkameraden.“
Nichts wie raus ins Freie! Kaum spürt E.T. Gras unter seinen Füßen, saust er begeistert umher. Direkt neben den anderen Kängurus in der Mühle haben die Kruses ein abgetrenntes Gehege rund um einen großen Kastanienbaum gebaut. Darin steht auch eine Hütte mit Panoramafenster, die E.T. vorerst für sich alleine hat. Seit E.T. erstmals ins Freie durfte, lernt er jeden Tag dazu: „Als es windig war, haben die Blätter der Kastanie über ihm gerauscht. Das hat ihn sehr erschreckt.“ Im Haus kennt E.T. alle Geräusche. Wenn Biga Staubsauger oder Mixer einschaltet, bleibt er ruhig. „Die meisten Wildtiere würden dabei ausflippen.“ Bislang war E.T. nur tagsüber im Außengehege. Bald wird er seine erste Nacht in der Hütte verbringen. Biga wird bei ihm bleiben: „Im Haus hätte ich keine Ruhe, weil ich mich ständig fragen würde, wie es ihm geht. Deshalb schnappe ich mir meinen Schlafsack und übernachte mit ihm in der Hütte.“ Auch wenn sie nicht dabei ist, weiß seine Ersatzmama künftig, wie sich E.T. in der Hütte verhält. „Wir haben dort eine Videokamera installiert, die sich mit dem Handy fernsteuern lässt.“ E.T. weiß, dass er in der Hütte geschützt ist. „Als er zuletzt im Freien war und es plötzlich zu donnern begann, ist er sofort in seine Hütte geflüchtet. Dort fühlt er sich sicher.“

Zweimal täglich Kängurumilch bekommt E.T. noch ein Vierteljahr lang. Ansonsten frisst er schon das Gleiche wie die erwachsenen Kängurus in der Klingelbacher Mühle: zum Beispiel Karotten, Haferflocken, Paprika, Knäckebrot, Zwieback und besonders gerne Trauben
Fotos: Gerhard Bayer
September 2014