Wissen / Reportage

Welt der Tiere

Von Mondspinnern und Blauen Morphos

Sie heißen Fackel, Blauer Morpho, Schwalbenschwanz oder Mondspinner. Um tropische Falter bestaunen zu können, brauchst du nicht nach Süd- oder Mittelamerika, Afrika oder Asien zu reisen. Besuch einfach einen Schmetterlingsgarten, von denen es auch einige in Deutschland gibt.
Was haben Schmetterlinge mit Käfern, Bienen und Ameisen gemeinsam? Sie gehören ebenfalls zu den Insekten. Schmetterlinge gibt es fast überall auf der Welt. Nur in sehr kalten Gegenden können sie nicht überleben. Wissenschaftler unterscheiden weltweit fast 160.000 Schmetterlingsarten. In Mitteleuropa leben immerhin 4000 Schmetterlingsarten. Wie alle Insekten haben auch Schmetterlinge sechs Beine. Bei manchen Arten ist das hinterste Beinpaar klein und deshalb nur schwer zu erkennen. Am Kopf sitzen zwei lange Fühler, mit denen die Tiere riechen. Schmetterlinge können nur flüssige Nahrung aufnehmen, meistens Nektar aus Blüten oder Saft von Früchten. Dafür rollen sie ihren Rüssel aus und trinken damit wie mit einem Strohhalm. Der Rüssel kann so lang sein wie der ganze Körper des Schmetterlings. Die Flügel sind mit winzigen Schuppen bedeckt. Deshalb werden Schmetterlinge auch Schuppenflügler genannt. Da die Schuppen sehr empfindlich sind, solltest du Schmetterlinge auf keinen Fall anfassen. Manche Arten tragen auf den Flügeln bis zu einer Million Schuppen. An ihren kleinen Köpfen haben Schmetterlinge auffallend große Augen. Diese sogenannten Facettenaugen setzen sich aus bis zu 30.000 Linsen zusammen.
Mal ganz bunt, mal schwarz-weiß, mal fast einfarbig: Je nach Schmetterlingsart können die Flügel ganz unterschiedlich aussehen. Auf diese Weise schützen sich Falter davor, von anderen Tieren gefressen zu werden. Manche Schmetterlinge tarnen sich so gut, dass man sie kaum von den Pflanzen unterscheiden kann, auf denen sie oft sitzen. Andere Falter erwecken bei Feinden durch ihre bunten Flecken den Eindruck, als wären sie groß und gefährlich. Manchmal signalisieren grelle Farben auch: Friss mich nicht, denn ich bin giftig! Bei den Weißen Baumnymphen stimmt das sogar. Ihr Körper enthält derart hochgiftige Stoffe, dass Feinde, wie zum Beispiel Vögel, sie nicht angreifen.
Mit Glück kannst du in einem Schmetterlingsgarten erleben, wie Falter aus ihrer Puppenhaut schlüpfen und zum ersten Flug starten. Die Puppe ist eine von vier Etappen, in denen sich Schmetterlinge entwickeln. Halt, der Reihe nach: Wenn sich zwei Falter gepaart haben, legt das Weibchen winzige Eier auf der Unterseite von Blättern ab. Tage später knabbert sich eine kleine Raupe den Weg aus dem Ei frei und beginnt von den Blättern zu fressen. Die Raupe wächst schnell und jedes Mal, wenn es ihr zu eng wird, wechselt sie ihre Raupenhaut. Nach ein paar Wochen häutet sie sich zum letzten Mal und wird zur Puppe. Wieder ein paar Wochen später schlüpft aus der Puppe endlich der Falter. Wer genau hinschaut und geduldig ist, kann im Schmetterlingsgarten alle vier Etappen entdecken: Eier, Raupen, Puppen – und natürlich fertige Schmetterlinge.
Bananenfalter sind zu einem besonderen Täuschungsmanöver fähig: An der Unterseite ihrer Flügel tragen sie eine Zeichnung, die wie ein Eulenauge aussieht. Sobald Vögel dieses Auge sehen, ergreifen sie die Flucht. Ihren Namen haben die Bananenfalter ihrer Lieblingsspeise zu verdanken. Während sich die meisten Schmetterlinge von duftenden, süßen Säften aus Blütenpflanzen ernähren, saugt diese Art die gärende Flüssigkeit von faulenden Bananen auf.
Fotos: Gerhard Bayer
Juni 2015