Wissen / Reportage

Welt der Tiere

So bleiben Zootiere fit

Was unternehmen Tierpfleger, damit es Zootieren nicht langweilig wird? PRIMAX schaute sich im Zoo der westfälischen Stadt Münster um.

Warum Langeweile krank macht

Im Zoo zu leben ist für Wildtiere sicher und bequem. Anders als in freier Natur müssen sie sich hier nicht gegen Angreifer verteidigen. Außerdem gibt es jeden Tag ausreichend Futter. Doch was tun mit der Zeit und der Energie, die normalerweise für die Suche nach Nahrung verbraucht wird? Es ist so ähnlich wie beim Menschen: Wer sich nicht immer wieder mal körperlich austobt und danach ausruht, wer seinen Geist nicht immer wieder mit kniffligen Aufgaben fordert und sich danach entspannt, dem ist bald langweilig. Genau wie Menschen werden Tiere durch Langeweile früher oder später krank: Damit ihr Körper und ihr Geist nicht völlig verkümmern, beginnen sie in ihren Gehegen zum Beispiel endlos auf und ab zu laufen oder mit dem Kopf zu wackeln. Damit Tiere gesund bleiben, bemühen sich die meisten Zoos, ihnen Abwechslung zu bieten. So sollten schon die Gehege mit jeder Menge Beschäftigungsmöglichkeiten ausgerüstet sein: zum Beispiel mit Klettergerüsten und Spielzeug, das für die jeweilige Tierart geeignet ist. Reizvoll für Tiere sind auch verschiedene kleine Landschaften: weiche Erde oder Sand zum Buddeln, ein Stück Wiese zum Schnuppern, dichte Pflanzen zum Verstecken oder Äste zum Kratzen, eine Höhle zum Ausruhen oder ein Hügel für mehr Überblick.
Auch sonst bemühen sich Tierpfleger auf ganz unterschiedliche Weise, dass bei den Zootieren keine Langeweile aufkommt. So erhalten die Elefanten ihr Gemüse einmal am Tag aus der Hand von Besuchern. Dazu kommt das tägliche Training mit Übungen, die auch die Arbeit der Tierpfleger erleichtern: Auf das Kommando „Lift!“ heben die Elefanten einen ihrer Füße, die sich so besser putzen lassen. Und sollen ihre Zähne kontrolliert werden, brauchen Tierpfleger nur „Sali!“ zu rufen. Schon heben die Elefanten ihren Rüssel über den Kopf und öffnen ihr Maul.
Hinüber zu den Bärengehegen: Im Futterraum bereiten Tierpfleger gerade ganz besondere Attraktionen vor. Stefanie Klahn streut auf ausgebreitete Jutesäcke eine Mischung aus Hundefutter und Rosinen, rollt die Säcke dann zusammen und verschnürt sie mit Kordeln: „Diese Mischung finden unsere Syrischen Braunbären köstlich.“ Peter Vollbracht versteckt andere Leckereien in Säcken. „Die Malaienbären lieben es, darin nach Mehlwürmern zu suchen.“ Nur wenige Sekunden nachdem die Tierpfleger die Jutesäcke in die beiden Freigehege geworfen haben, beginnen die Bären mit der Kniffelei. Ausgiebig werden die Säcke zuerst beschnüffelt und untersucht. Danach geht jede Bärenart anders vor: Während die Malaienbären versuchen, mit viel Geschick bis zum Futter vorzudringen, probieren es die Syrischen Braunbären eher mit Kraft. Am Nachmittag erwartet die Bären die nächste Abwechslung. Die Tierpfleger verstreuen Apfelhälften in beide Gehege. „Es macht unseren Bären großen Spaß, auch in Spalten und Löchern nach Äpfeln zu suchen“, schildert Peter Vollbracht.
Fotos: Gerhard Bayer / Allwetterzoo Münster
Juli 2013